Donnerstag, 11. Dezember 2008

"Lebensmensch" ist Wort des Jahres 2008:
"Krocha" haben sich auf Platz zwei gerettet

  • "Gewinnwarnung" ist Unwort, noch vor "Heimatpartei"
  • Spruch des Jahres kommt von Josef Hickersberger

Der "Lebensmensch" hat das Rennen um das österreichischen Wort des Jahres 2008 gemacht. Auf Platz zwei haben sich die "Krocha" gerettet, der dritte Rang geht an die "Wachteleierkoalition" aus dem heurigen Wahlkampf. Das Unwort des Jahres lautet "Gewinnwarnung", so das Ergebnis einer Fachjury vom Germanistikinstitut Graz, die die Wahl in Kooperation mit der APA durchführte.

Stefan Petzner hatte tränenreich um seinen "Lebensmenschen" Jörg Haider getrauert. Nun schaffte es die Aussage auf Platz eins der Wörter des Jahres 2008. Seine Bedeutungsambivalenz und sein hoher emotioneller Wert machen "Lebensmensch" zum Ausspruch des Jahres, attestierte die Jury. Das Wort wurde aufgrund gegensätzlicher Verwendungsweisen von vielen Wählern auch als Unwort klassifiziert, von der Mehrheit aber als Wort des Jahres gereiht.

"Krocha" auf Platz 2
Die "Krocha" - eine ostösterreichische Jugendkulturbewegung, die im abgelaufenen Jahr stark in Erscheinung getreten ist, landet auf Rang zwei. Sie ist die erste derartige österreichische Jugendkultur seit Jahrzehnten, die durch sprachliche Originalität gekennzeichnet ist und für die die Lebendigkeit der österreichischen Jugendkultur steht, lautete die Begründung der Jury. Platz Drei geht an die "Wachteleierkoalition", ein Ausspruch aus dem heurigen Wahlkampf.

Unwort des Jahres: "Gewinnwarnung"
Ein Wort, das die wahren Sachverhalte in höchstem Maße verschleiert, wurde zum Unwort ernannt: "Gewinnwarnung". Es ist aus sprachlicher Sicht interessant, da es scheinbar vor Gewinnen warnt, tatsächlich aber Verluste bzw. verminderte Gewinne meint. "Heimatpartei" und "Kulturdelikt" werden ebenfalls zu den Unwörtern gezählt.

Spruch des Jahres von Hickersberger
"Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." Dieser von Josef Hickersberger während der Fußball-EM getätigte Sager wurde als Spruch des Jahres 2008 gewürdigt. Der ehemalige ÖVP-Chef und Vizekanzler Molterer leitete mit den Worten "Es reicht" das wichtigste politische Ereignis des laufenden Jahres ein und schaffte es damit immerhin zum Unspruch des Jahres 2008.

2007 wurde der "Bundestrojaner" zum Wort des Jahres gewählt. Der vielzitierte Begriff "Komasaufen" gewann den Titel Unwort. (apa/red)

11.12.2008 10:37