Bundespräsident auf Staatsbesuch in Israel:
Heinz Fischer trifft Holocaust-Überlebende
- "Kein Platz für Antisemitismus in Österreich"
- Präsident erhielt Ehrendoktorat der Uni Tel Aviv

Bundespräsident Heinz Fischer ist in Tel Aviv mit den in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden aus Österreich zusammengetroffen. Dabei wies der Bundespräsident Befürchtungen zurück, in Österreich drohe wegen des Erstarkens rechter Parteien ein Wiederaufleben von NS-Gedankengut.
Bei der von mehr als 500 Teilnehmern besuchten Veranstaltung im Tel-Aviv-Museum brachte Gideon Eckhaus, Vorsitzender des Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel, zudem seine Sorge wegen der Wahl von Martin Graf (F) zum Dritten Nationalratspräsidenten, der der rechten Verbindung Olympia angehört, zum Ausdruck. Außerdem beklagte er die mangelnde finanzielle Unterstützung, die die österreichischen Holocaust-Überlebenden aus ihrer früheren Heimat erhielten. Er würdigte aber zugleich die Hilfe aus dem Nationalfonds, dessen langjähriger Präsident Fischer war.
Der Bundespräsident erwiderte in seiner Rede, er sei stolz, dass die Österreicher mit ihm einen deklarierten Antifaschisten zum Staatsoberhaupt gewählt hätten. Fischer räumte ein, dass sich Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit schwergetan habe, die Vergangenheit aufzuarbeiten und Schuld einzubekennen. Heute würde aber jede antisemitische Äußerung auf "entschiedene Reaktionen einer großen Mehrheit stoßen, die das nicht hinnimmt". Fischer betonte zugleich, der Dritte Nationalratspräsident Graf habe sich in einer schriftlichen Erklärung gegenüber dem Nationalsozialismus abgegrenzt - man könne höchstens über seine Motive diskutieren.
Der Bundespräsident unterstrich zudem die guten Beziehungen zwischen Österreich und Israel. Dessen Existenzrecht verteidige Österreich ebenso wie die gesamte EU gegenüber allen, die dem jüdischen Staaten dieses absprechen wollten. Eine Lösung des Nahost-Konflikts auf Basis freier Staaten sei am sinnvollsten, fügte der Bundespräsident hinzu.
Anschließend an die Veranstaltung wurde Fischer von der Universität Tel Aviv ein Ehrendoktorat verliehen. Universitätspräsident Zvi Galil nannte Fischer unter anderem einen Freund Israels, der zudem eine wunderbare Beziehung mit der jüdischen Gemeinschaft in Österreich aufgebaut habe und der ein Kämpfer gegen Antisemitismus und Extremismus sei. Das Ehrendoktorat der weltweit größten jüdischen Universität hatten in diesem Jahr unter anderem Friedensnobelpreisträger Eli Wiesel und der spanische Architekt Santiago Calatrava erhalten.
In seiner Dankesrede widmete sich Fischer dem 90. Jahrestag der Gründung der Republik Österreich. Er wies dabei auch auf die Mitverantwortung von Österreichern an den NS-Verbrechen hin, erinnerte aber gleichzeitig an die österreichischen Widerstandskämpfer. Zudem versicherte der Bundespräsident, das heutige Österreich unterscheide sich grundlegend von dem von 1918.
Am Abend stand für Fischer noch eine Unterredung mit der israelischen Außenministerin Tzipi Livni auf dem Programm. Den Abschluss seiner Nahost-Reise bildet ein Besuch in den palästinensischen Gebieten, wo er mit Präsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) zusammentreffen wird.
(apa/red)
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