Montag, 15. Dezember 2008

Nach Steinen und Flaschen folgen Blumen:
Griechische Proteste weitgehend friedlich

  • Athen: Erneut 3.000 Jugendliche vor Polizeipräsidium
  • Tagelange Ausschreitungen nach Tod eines Schülers

Rund 3.000 Jugendliche haben tag vor dem Polizeipräsidium in Athen demonstriert. Der Protest verlief weitgehend friedlich. Einige Demonstranten übergaben den Polizisten Blumen, andere trugen Transparente mit der Forderung "Entwaffnet die Polizei" oder "Sturz der Regierung", wie das Fernsehen berichtete. Einige Jugendliche warfen allerdings Eier, Mehl, Plastikflaschen und Steine auf die Beamten, die daraufhin Tränengas einsetzten und mindestens zwei Demonstranten festnahmen.

Schüler blockierten in mehreren Stadtteilen Athens wichtige Straßenkreuzungen. Vielerorts brach der Verkehr zusammen. Demonstranten besetzten zudem vorübergehend den staatlichen Radiosender der Insel Lesbos und sendeten Parolen gegen die Polizei. Auch im Nordwesten Griechenlands in Ioannina wurde eine Radiostation vorübergehend besetzt.

Etwa 50 Jugendliche demonstrierten auch vor einem Athener Gericht, wo fünf der insgesamt mehr als 200 Festgenommenen einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden sollten. Die Bereitschaftspolizei sicherte das Gebäude, es sei nicht zu Auseinandersetzungen gekommen, teilten die Sicherheitskräfte mit.

Unterdessen gingen im Stadtzentrum Athens die Aufräumarbeiten weiter. Viele Geschäfte, die während der schweren Unruhen in der vergangenen Woche beschädigt worden waren, öffneten am Montag wieder. Auch ein neuer Weihnachtsbaum sollte im Zentrum aufgestellt werden, gab die Stadt Athen bekannt. Vor einer Woche hatten Randalierer den 20 Meter hohen Weihnachtsbaum am zentralen Syntagma Platz angezündet.

Der Tod des 15-jährigen Schülers Alexandros Grigoropoulos hatte am Samstag vor einer Woche in vielen Städten des Landes Unruhen ausgelöst. Der Jugendliche war von einer Kugel aus der Waffe eines Polizisten tödlich getroffen worden. Der mutmaßliche Täter, ein 37 Jahre alter Polizist, und einer seiner Kollegen, sitzen in Untersuchungshaft. Nach den gewaltsamen Protesten der letzten Tage war es in der Nacht zum Montag zunächst ruhiggeblieben. (apa/red)

15.12.2008 16:11