Freitag, 12. Dezember 2008

Kim Jong-Il hat einen Schlaganfall erlitten:
Französischer Arzt lüftet Rätsel um Diktator

  • Berichte über heimliche Behandlungen in Nordkorea
  • Kommunistischer Staat wies Gerüchte bislang zurück

Ein französischer Facharzt hat Gerüchte bestätigt, wonach der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il einen Schlaganfall erlitten hat. Kim sei allerdings nicht operiert worden, sagte der Neurochirurg Francois-Xavier Roux der Tageszeitung "Le Figaro". "Mittlerweile geht es ihm besser." Die jüngst veröffentlichten Fotos des nordkoreanischen Präsidenten machten den Anschein, "aktuell und echt" zu sein. Mehr könne er nicht sagen, weil er an die ärztliche Schweigepflicht und ein Staatsgeheimnis gebunden sei, sagte Roux, ein Freund des französischen Außenministers Bernard Kouchner und wie dieser ein früheres Mitglied von Ärzte ohne Grenzen.

In dem Bericht sprachen mehrere französische Ärzte darüber, wie sie heimlich bekannte Persönlichkeiten des kommunistisch regierten Staates behandelt hätten. Den Kontakt habe stets der Vertreter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen in Genf hergestellt, Tchoe Il. Anfang der 90er Jahre habe Tchoe sich an Herzspezialisten aus Lyon gewandt, nachdem er sich in der Schweiz eine Abfuhr eingehandelt habe, berichtete ein Arzt, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Nordkoreaner habe ihm das EKG eines Patienten gezeigt und gesagt, dass es sich um eine bekannte "Persönlichkeit" handle, die einen Herzschrittmacher brauche.

Ein Chirurg, ein Narkosearzt und eine Krankenschwester seien daraufhin nach Pjöngjang gereist, wo sie zunächst mehrere Militärs operiert hätten. Eines Tages habe dann ein älterer Mann vor ihnen auf dem Operationstisch gelegen, der eine Brille mit gesprungenen Gläser aufgehabt habe, damit er nicht zu erkennen war. Erst nach der Rückkehr in Frankreich hätten die Ärzte dann sicher gewusst, dass es sich um den Staatsgründer Kim Il-sung gehandelt habe, den Vater des jetzigen Machthabers, der einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Realitätsverweigerung in Nordkorea
Der Neurochirurg Roux hatte sich Ende Oktober gegen französische und japanische Berichte verwahrt, wonach er zu Kims Behandlung nach Nordkorea gereist sein soll. Er wisse über den gesundheitlichen Zustand des Präsidenten nicht mehr, als in der Zeitung zu lesen sei, sagte Roux seinerzeit. Nordkorea hatte vor gut zwei Wochen erneut Fotos des Staatschefs veröffentlicht, auf denen der 66-Jährige beim Besuch zweier Fabriken zu sehen war. Südkorea und die Vereinigten Staaten zweifelten die Aktualität der Bilder allerdings an.

Kim war seit Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Anfang September nahm er nicht an den Feiern zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Nordkoreas teil, im Oktober fehlte er beim Begräbnis eines ranghohen Parteifreundes. Gerüchte über einen Schlaganfall wies der völlig verarmte kommunistische Staat stets als Propaganda zurück. (apa/red)

12.12.2008 14:34