Donnerstag, 11. Dezember 2008

Lage in Griechenland weiter angespannt: Studenten greifen Athener Polizeiwachen an

  • Weltweite Proteste wegen getötetem 15-Jährigen
  • BILDER: Zerstörte Schaufenster und Autos in Brand
    PLUS: CNN-Videos zeigen überforderte Exekutive

Nach vereinzelten nächtlichen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei flauten in der Früh die Proteste etwas ab. Für Donnerstag waren keine Demonstrationen angekündigt. Studenten griffen jedoch in Athen Polizeiwachen an. In Sofia und Rom wurde in der Nacht dem von der Polizei erschossenen Teenager gedacht.

In der griechischen Hauptstadt Athen ist es am Donnerstag den sechsten Tag in Folge zu Krawallen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Studenten, die die Universität besetzt halten, warfen in der Früh Steine und Brandsätze auf Polizisten. Später griffen sie mehr als zehn Polizeiwachen in der ganzen Stadt mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Für Freitag riefen Schüler und Studenten zu einer Kundgebung in Athen auf. Weitere Demonstrationen sind für die nächste Woche geplant.

Weltweite Protestaktionen
In der Nacht war es auch außerhalb Griechenlands zu Protestaktionen vor diplomatischen Vertretungen des Landes gekommen. In Rom und Sofia hielten Demonstranten Plakate des von der Polizei erschossenen 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos hoch. Vor der Botschaft in der italienischen Hauptstadt warfen Aktivisten später Autos um, in New York schleuderte ein Passant einen Ziegelstein gegen das Konsulat, in Istanbul sprühten Unbekannte ein Anarchistenzeichen an die Hauswand der Vertretung. In Bordeaux steckten Unbekannte vor dem griechischen Konsulat zwei Autos in Brand. Die Tür der Vertretung wurde beschädigt.

Druck auf Regierung wächst
Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis wird unterdessen immer größer. Der Tod des Jugendlichen Demonstranten hat Griechenland schockiert, der Regierung wird zudem schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Anrainer und Ladeneigentümer beschweren sich, dass die Polizei nur sich selbst geschützt habe. Meinungsumfragen stellen der Regierung ein verheerendes Zeugnis aus, die Opposition fordert den Rücktritt. Karamanlis wollte am Donnerstag am EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen. (apa/red)

11.12.2008 12:46