Dienstag, 9. Dezember 2008

Epidemie in Simbabwe breitet sich aus:
Hunderttausende stehen vor Cholera-Tod

  • WHO-Delegation soll Krankheitsbekämpfung planen
  • Epidemie greift auch auf die Nachbarländer über

Angesichts der sich immer schneller ausbreitenden Cholera-Epidemie in Simbabwe mahnen Hilfsorganisationen zur Eile. "Wenn nicht schnell etwas geschieht, nimmt die Welt den Tod von Hunderttausenden in Kauf", erklärte Oxfam Deutschland. Die internationale Hilfsorganisation versorgt bereits 300.000 Menschen in Simbabwe mit Trinkwasser und bemüht sich um eine Verbesserung der hygienischen Bedingungen.

In Simbabwe traf unterdessen eine ranghohe WHO-Delegation ein. Sie soll die Bekämpfung der Krankheit koordinieren, berichtete die Zeitung "The Herald". Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) reagiert damit auf einen Hilferuf der Regierung von Präsident Robert Mugabe, der nach langem Zögern vergangene Woche den nationalen Notstand ausgerufen hatte.

Krankenhäuser geschlossen
Bis 5. Dezember sind nach WHO-Angaben knapp 14.000 Menschen an Cholera erkrankt und 589 daran gestorben. Die WHO geht aber selbst von einer weitaus höheren Zahl aus, zumal mangels ausreichender Versorgung drei weitere Krankenhäuser geschlossen werden mussten. Die WHO befürchtet ein immer schnelleres Ausufern der Krankheit.

Auch Nachbarn betroffen
Die Cholera-Epidemie in Simbabwe greift auch auf die Nachbarländer Mosambik und Botsuana über. In Südafrika wurden bisher mehr als 640 infizierte Patienten und acht Tote gezählt. Auch aus Johannesburg wurden nach Behördenangaben die ersten Cholera-Fälle bekannt. Beim Grenzort Musina wurde eine Kontaminierung des Grenzflusses Limpopo mit Cholera-Erregern nachgewiesen, über den zahlreiche kranke Simbabwer auf der Suche nach Hilfe nach Südafrika fliehen.

Westen der Drahtzieher?
Die Regierung Simbabwes vermutet ungenannte westliche Länder als Drahtzieher hinter dem Cholera-Ausbruch im Lande und meint, alleine damit fertig zu werden. "Die Cholera ist unter Kontrolle", sagte Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu und fügte hinzu: "Der Westen will nur die durch das Desaster verursachte Chance für eine militärische Intervention nutzen, nachdem er das Land zuvor mit Sanktionen stranguliert und ausgelaugt und mit Cholera und Milzbrand verseucht hat." Simbabwe benötige auch keine Hilfe aus dem Ausland.

(apa/red)

9.12.2008 20:15