Freitag, 5. Dezember 2008

Amerikas Autoriesen müssen weiter zittern:
US-Kongress reagiert skeptisch auf Hilferuf

  • GM, Ford & Chrysler weht ein rauher Wind entgegen
  • Republikaner zweifeln, Demokraten unentschlossen

Die US-Autobauer General Motors und Chrysler haben dem US-Kongress im Gegenzug für milliardenschwere Staatshilfen eine Fusion angeboten. "Ich wäre sehr gewillt, dies ernsthaft in Betracht zu ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner in einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats. Sein Kollege von Chrysler, Robert Nardelli, stimmte dem Plan zu und kündigte an, auf seinen Job zu verzichten, falls ein Zusammenschluss das Unternehmen und seine Arbeiter rette.

Während der Opel-Mutterkonzern GM in den USA noch um Unterstützung der Regierung kämpft, kommen die Gespräche zwischen der deutschen Regierung und Opel über mögliche Staatshilfen offenbar voran.

Finanzielle Rettung
GM und Chrysler stehen nach eigenen Angaben ohne Finanzspritzen bis Jahresende vor dem Aus. Sie fürchten im Falle einer Insolvenz kaum noch Autos verkaufen zu können. Gemeinsam mit Ford haben die beiden Autohersteller Anfang der Woche um Staatshilfen von bis zu 34 Mrd. Dollar (26,8 Mrd. Euro) gebeten.

Der Chef der US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), Ron Gettelfinger, zeigte sich skeptisch über einen Zusammenschluss von GM und Chrysler. Eine Fusion würde zu "unglaublichen" Arbeitsplatzverlusten führen, warnte er.

Drosselung der Produktion
Die angeschlagene Opel-Mutter GM will in drei Werken in Nordamerika ihre Produktion drosseln. Damit reagiert der Autobauer aus Detroit auf die im November noch einmal drastisch gesunkene Nachfrage. "Wir schrumpfen, weil der Markt schrumpft", sagte ein GM-Sprecher am Freitag. Betroffen seien in den USA Werke in Michigan und Ohio sowie eine Fabrik im kanadischen Ontario. Hier werde im Februar jeweils eine Woche eine Schicht gestrichen. Fast 2.000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter sind davon betroffen. In den Werken werden Autos der Marken Chevrolet und Pontiac hergestellt.

GM hatte im November einen Absatzeinbruch von 41 Prozent hinnehmen müssen. Zusammen mit Ford und Chrysler bemüht sich GM unterdessen um insgesamt 34 Mrd. Dollar Staatshilfen. GM und Chrysler haben für das Rettungspaket eine Fusion in Aussicht gestellt.

Für die GM-Tochter Opel gibt es in Deutschland erste Konzepte, wie eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin sagte. In den Gesprächen mit Opel würden "verschiedene Möglichkeiten, verschiedene Szenarien" diskutiert. Dabei werde naturgemäß die Entwicklung in den USA bei General Motors aufmerksam beobachtet.

Trennungsgerüchte
"Es werden Vorbereitungen getroffen, die für alle Fälle ein Handeln (der deutschen Regierung) möglich machen", sagte die Sprecherin. Zur Frage, ob inzwischen auch eine Trennung Opels vom GM-Konzern diskutiert werde, wollte sie nichts sagen. Sie unterstrich aber, es werde über "alle Möglichkeiten" gesprochen. Das beinhalte auch die Vorbereitung für Restrukturierungsmaßnahmen des Mutterkonzerns, sofern es dazu komme. "Sobald alle Rahmendaten klar sind, wird eine Entscheidung der Bundesregierung erfolgen."

Die deutsche Regierung sei bereit, noch vor Weihnachten über Staatshilfen für Opel zu entscheiden, sofern die Voraussetzungen dafür vorlägen, sagte die Ministeriumssprecherin. Dazu sei dem Unternehmen ein Fragenkatalog vorgelegt worden. In Regierungskreisen hieß es, es sei eher unwahrscheinlich, dass noch vor Weihnachten entschieden werde. Grund sei, dass für Opel selbst noch nicht absehbar sei, wie sich die Lage bei GM entwickle und welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Im Gespräch sei ein Opel-Kredit für Forschungsinvestitionen von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und eine Rückverbürgung über die Bundesregierung.

General Motors will aufgrund der weltweiten Absatzkrise im kommenden Jahr in Europa 750 Mio. Dollar einsparen - unter anderem über geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten.

Innerhalb des Opel-Betriebsrates herrschen indes unterschiedliche Einschätzungen zu den Folgen der Krise. Der oberste Arbeitnehmervertreter des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, hatte die Beschäftigten auf Gehaltseinbußen von 15 Prozent und einen möglichen Stellenabbau eingestimmt. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz warf seinem Bochumer Kollegen dagegen Panikmache vor. "Ich halte das für nicht seriös", sagte er Reuters. Noch seien die Folgen der Krise für die Beschäftigten nicht abzusehen.
(apa/red)

5.12.2008 18:30