NEWS-Gastkommentar: Armin Assinger
über den "Herminator"
- Für seinen 54. Weltcupsieg braucht
- der Herminator jetzt eine neue Kuhhaut
Armin Assinger zieht den Hut vor dem ,ewigen Comebacker Hermann Maier. Und freut sich schon auf die spektakulären Rennen in Beaver Creek. Nur eins macht ihm Sorgen: Wo bleibt der österreichische Nachwuchs?
Ill be back! Totgesagte leben länger! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Immer wenn er Schmerzen hat, ist er am gefährlichsten! All das kann jetzt wieder einmal auf Hermann Maier gemünzt werden. Und es ist ja tatsächlich so, dass speziell nach seinem Auftritt in Sölden die verbreitete Meinung die war, dass er nur sehr schwer wieder an die Spitze wird herankommen können.
Ja, im Riesentorlauf mag das durchaus zutreffen, da bin ich sogar davon überzeugt, dass der Zug für ihn abgefahren ist, aber in den Speed-Disziplinen mit Sicherheit nicht. Dort spielt die Routine eine herausragende Rolle, das genaue Abschätzen der Situation, das Antizipieren und das Öffnen der richtigen Trickkiste im richtigen Moment. Diese über Jahre angelernten und angewendeten Fähigkeiten konnte Maier am vergangenen Sonntag ideal einsetzen. Alles in allem ist es jetzt so weit: Mit diesem offiziell 54. Sieg (Sie wissen ja, die rote Linie in Val dIsère verhinderte seinen 55.) braucht er für seine Siege eine neue Kuhhaut auf die alte geht das gar nicht mehr alles drauf!
Herzliche Gratulation!
Wer soll einmal in Maiers Fußstapfen treten? Der Sieg Maiers überstrahlt natürlich das sonst nicht so berauschende Ergebnis aus der Männerabfahrt wechselnde Wind- und Sichtverhältnisse einmal außen vor gelassen! Wo bitte bleibt der sogenannte Nachwuchs? Wer soll denn da in ein oder zwei Jahren in die Fußstapfen von Maier und Walchhofer treten? Leider konnte auch Hannes Reichelt vorläufig nicht an seine letztjährige Saison anschließen. Sowohl in der Abfahrt als auch in seiner Spezialdisziplin Super-G ist sein großes Problem eindeutig, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Er bringt ja wirklich die besten Voraussetzungen mit, ist körperlich bestens beisammen, und doch klappt es einfach nicht nach Wunsch. Freilich kann man nicht erwarten, jedes Rennen zu gewinnen, doch selbst wenn Hannes Fehler macht, sollte sich mit seiner Klasse ein Top-15-Platz ausgehen. Möglicherweise liegen seine Probleme im mentalen Bereich. Wenn dem so ist, können wir aber auch den Umkehrschluss ziehen und auf seine Unberechenbarkeit am Wochenende hoffen. Gerade Beaver Creek ist ja ein guter Boden für ihn, hat er dort doch schon einmal die Kastanien für Österreich aus dem Feuer geholt.
Der Weltcup ist heute internationaler denn je. Der Sonntag war für die Firma Head ein Feiertag, denn gleich beide Rennen wurden auf dem Ski aus Vorarlberg gewonnen. Dazu noch ein Sieg von Atomic und Rossignol und der erste Sieg für Tschechien im Skiweltcup durch Sarka Zahrobska ebenfalls auf Head na ja, jetzt ist er da, der Breitensport! Mehr Nationen denn je naschen erfolgreich am Skikuchen mit. Genau das, was viele Kritiker schon seit jeher bemängelten, ist nun dabei, Gesetz zu werden. Jetzt brauchen wir noch einen starken Bode Miller bei seinen Heimrennen, hoffentlich ein paar Österreicher ganz vorne, und wenn es geht, bitte noch einen Deutschen ganz vorne mitfahren lassen. Die Schweizer dürfen wir aber natürlich auch nicht vergessen. Und da ganz besonders Daniel Albrecht. Der wird heuer ganz, ganz gefährlich für die große Kristallkugel und ist tatsächlich in einer außergewöhnlich guten Form. Trotz seines äußerst riskanten Stils wirkt er doch sicher und souverän. Nachdem es ihm im letzten Winter nicht gelang, seine Form über einen längeren Zeitraum zu halten, wird er aus dieser Erfahrung sicherlich die nötigen Konsequenzen gezogen haben. Dies wiederum ist auch eine Frage der Routine schlag nach bei Hermann Maier!
Beaver Creek, das ist ja das Wohnzimmer des Herminators. Ich bin gespannt, inwieweit ihn der Sieg jetzt beflügeln wird. Die Strecke dort ist doch eine ganz andere: viel selektiver, technisch viel anspruchsvoller, viel mehr Mut einfordernd sowohl die Abfahrt als auch der Super-G auf dieser Piste sind sicher ein erster Saisonhöhepunkt.
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