Hubert Wachter über einen Akzent des ÖVP-Parteitags, der zu denken geben sollte.
- Prölls Risiko war doch sehr viel größer
92 Delegierte schwänzten den Welser ÖVP-Parteitag. Darum, streng formuliert: Sepp Pröll hat nur 75,21 % der Partei hinter sich.
Salzburgs fesche VP-Klubchefin im Landesparlament an der Salzach, Gerlinde Rogatsch, präsidierte in Wels den Bundesparteitag der ÖVP just in dem Moment, als es formell galt, diesen Konvent offiziell für beschlussfähig zu erklären.
Sie gab offiziell bekannt: Von an sich 597 stimmberechtigten Delegierten aus ganz Österreich waren zur Abstimmung über Neo-Parteichef Josef Pröll exakt 505 Delegierte angereist. Unausgesprochenes Fazit: Immerhin 92 VP-Delegierte quer durch die Republik schwänzten, aus welchen Gründen immer, diesen für die Parteizukunft so wichtigen Sonderparteitag.
Trotzdem unter 90 Prozent. Und von den nur 505 Delegierten versagten weitere 56 Pröll die Gefolgschaft. Der 40-Jährige wurde daher mit offiziell 89,6 Prozent (449 von 501 Stimmen, vier ungültig) zum neuen ÖVP-Chef gewählt, dem jüngsten in der Parteigeschichte. Dass Pröll knapp unter der parteipsychologisch so wichtigen 90er-Marke blieb, quittierte er professionell: Er habe eben volles Risiko genommen, nämlich: sich selbst samt Koalitionseintritt plus fertiger Ministerliste im Paket zur Wahl gestellt. Und auf die fehlende Differenz zu üblicher, bei Parteitagen ohne Gegenkandidaten grundsätzlich viel höherer Einstimmigkeit anspielend: Dieses Risiko ist nun beziffert: 10,4 Prozent! Das macht Lust auf mehr!
Wer schweigt, stimmt zu. Was Pröll mit Lust auf mehr umschrieb, sollte besser innerparteiliche Konsolidierung heißen. Sofort. Stellt man nämlich die Brutto-Rechnung der Zustimmung an, also: fehlende Delegierte plus jene, die der neuen Führung formell die Bestätigung verweigerten, dann hat diese momentan lediglich 75,21 Prozent brutto der Bundespartei hinter sich. Die Einschränkung wer nicht kommt, also bei der Wahl schweigt, stimmt eben zu! ist zwar richtig, aber kein Ruhekissen. Statistisch gesagt: Jeden Vierten der ÖVP muss Sepp Pröll erst gewinnen. Um wirklich stark in Faymanns Kabinett zu sein.
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