Mittwoch, 3. Dezember 2008

Christian Neuhold: Was Neuhold nervt -
Das große Hermann-Schleimen

Über zwei Jahre lang haben sich die namhaftesten Sportkommentatoren dieses Landes an Hermann Maier abreagiert. Zu alt sei er, der Markenwechsel habe ihn endgültig ins Out gebracht, der Körper des Herminators sei endgültig kaputt, der Flachauer ein Frührentner. Und dann gewinnt dieser Hermann Maier den Super-G in Lake Louise. Und zwar in ähnlich überragender Art und Weise wie in seinen besten Zeiten.

Und plötzlich ist er wieder das Schatzi-Butzi aller Sportreporter. Plötzlich haben es ja schon immer alle gewusst, dass er doch der Einzige, der Beste und der Größte gewesen ist. Das nervt mich gewaltig. Und ich denke, dem Hermann Maier muss es noch viel mehr an die Nieren gehen. Aber er bleibt cool, ist locker wie schon lange nicht, zeigt im Ziel Emotionen, weint bei der Siegerehrung. Mit einem Wort: Während sich viele Sportjournalisten kein Stück weiter entwickelt haben, ist Maier zum ,elder statesman’ des Skisports gereift. Als Rennfahrer war er ohnehin schon immer zu gut für die meisten seiner Kritiker. Jetzt hat er sie auch noch menschlich deutlich in den Schatten gestellt. Da bleibt einem nur, den Hut zu ziehen, sich zu verbeugen und zu hoffen, dass Maier dem heimischen Sport noch lange erhalten bleibt. Denn außer ihm ist derzeit kaum ein Held in Sicht.

Ihr Meinung an neuhold.christian@news.at.

3.12.2008 17:08