Bahn frei für AUA-Deal: ÖIAG segnet den Verkauf der Airline an die Lufthansa ab
- Wichtige Langstrecken bleiben weiterhin erhalten
- Lufthansa zahlt symbolisch 366.000 Euro an ÖIAG

·Kritik der Aktionäre an AUA-Übernahme
Lufthansa sollte für Streubesitz mehr zahlen
·FORMAT: Niki Lauda gegen AUA-Zuschuss
Fordert Streckenrechte als Zuschuss-Ausgleich
·AUA-Betriebsrat
reagiert leicht besorgt
Bekenntnis für rot-weiß-rote Heckflossen zu wenig
·ÖIAG-Kredit an AUA 200 Mio. Euro schwer
EU muss Rettungsbeihilfe aber erst genehmigen
·Debakel bei der AUA:
400 Millionen Verlust
Flugline erhält von ÖIAG Gesellschafterdarlehen
·GRAFIK: Der AUA-
Deal in Zahlen
Kauf des Streubesitzes und des ÖIAG-Anteils
Der Verkauf der AUA an die deutsche Lufthansa ist perfekt gemacht worden. Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis haben den Verkauf der ÖIAG-Anteile an der AUA unterzeichnet. Der Deal ist aber erst dann endgültig über die Bühne, wenn die EU-Kommission den 500-Mio.-Euro Zuschuss der Republik für unbedenklich befindet und 75 Prozent der Stimmrechte an die Lufthansa wandern.
Sollten wider Erwarten keine 75 Prozent erreicht werden, behält sich die Lufthansa eine "Ermessensentscheidung'" vor, ob sie die AUA übernimmt, sagte Mayrhuber bei der Pressekonferenz. Er halte dies aber für wenig wahrscheinlich, weil der AUA-Anteilsschein im Vergleich zur Lufthansa-Aktie überbewertet sei. An der Zustimmung der EU-Kommission hat der gebürtige Oberösterreicher Mayrhuber keinen Zweifel: "Das Risiko geht gegen Null." Brüssel könne kein Interesse daran haben, Wien von internationalen Anbindungen abzuschotten. Was die Beihilfe angeht, setzt Mayrhuber auf den Grundsatz "One Time, last time" (Die AUA hat anders als andere europäische Staats-Airlines bisher noch keine Beihilfen bekommen).
Alleine keine Chance
Nach Darstellung von Mayrhuber, ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis und AUA-Vorstandschef Alfred Ötsch ist die nun gewählte Marschrichtung die richtige. "Wir sind alleine nicht groß genug, um unter herrschenden Umweltbedingungen zu überleben", sagte Ötsch. Allein würde es zu einer "drastischen Redimensionierung kommen müssen, die wir uns mit mit der Partnerschaft ersparen wollen." Die Synergien zwischen Lufthansa und AUA werden auf jährlich 70 bis 80 Mio.Euro geschätzt.
"Heute ist der Tag Eins für die AUA neu, der wichtigste Tag seit der AUA-Gründung vor 50 Jahren", sagte Michaelis, der einräumte, dass ÖIAG und AUA im Privatisierungsprozess "Turbulenzen" durchfliegen haben müssen.
Eigenständigkeit bewahren
Die AUA wird "in Kernbereichen eine weitgehende Eigenständigkeit behalten", versicherte Mayrhuber. Die AUA-Flüge in den Osten würden weiterhin vom Flughafen Wien aus geführt, die wichtigsten Langstreckenflüge blieben erhalten. Die AUA müsse wieder profitabel werden, den "Break-even erreichen und längerfristig die Kapitalkosten verdienen", sagte Mayrhuber. "Wir haben Geduld beim Herbeiführen von Veränderungen, wir haben dabei aber sicher auch unsere Grenzen." Im heurigen Jahr könnten die Austrian im Extremfall bis zu einer halben Milliarde Verlust machen.
Im Moment sei "kein Personalabbau vorgesehen. Wir wollen Produktivitätssteigerungen erreichen, ohne Kündigungen durchzuführen", sagte Mayrhuber. Sollte die Wirtschaftskrise stärker werden, müsse die Lufthansa aber wohl ohnedies "queerbeet restrukturieren".
Gegenstimmen der Betriebsräte
Vor der Pressekonferenz hatte der Aufsichtsrat der Staatsholding den Verkauf abgesegnet - gegen die Stimmen der fünf ÖIAG-Betriebsräte. Diese betrachten die der Lufthansa gewährten Konditionen als "Geschenk" der Republik Österreich und sehen durch die Partnerschaft Flughafen Wien und Jobs gefährdet.
Das sogenannte Closing soll laut Michaelis bis zum nächsten Mai über die Bühne sein. Um die Liquidität der Luftlinie bis dahin zu sichern, wird der Ministerrat als Überbrückungsfinanzierung am 16. Dezember ein 200-Millionen-Euro-Darlehen an die AUA beschließen. Dieses muss beim Abschluss des Deals wieder zurückgezahlt werden. Den 500-Millionen-Zuschuss bestreitet die ÖIAG "aus eigenen Mitteln bzw. eigenen Finanzierungsmöglichkeiten" (Michaelis).
Die Lufthansa zahlt den symbolischen Preis von 366.000 Euro (1 Cent pro Aktie) für die Staats-Anteile an der AUA (41,6 Prozent), verspricht aber im Falle einer günstigen wirtschaftlichen Entwicklung der AUA bis zu 162 Mio. Euro nachzuzahlen. Zu 80 Prozent richtet sich der Besserungsbetrag nach dem Gewinnn, zu 20 Prozent nach dem Lufthansa-Kurs. Dem AUA-Streubesitz sollen 4,44 Euro pro Aktie geboten werden
(apa/red)
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