Die Betriebsratskaiser der Krisen-Firmen:
Großes Comeback der Gewerkschaftsbosse
- NEWS zeigt wie sie ticken und was sie alles planen
- So wollen Junghans, Fritz & Co unsere Jobs retten
Vergessen das Bawag-Debakel, verebbt die Privatisierungswelle: Galt die Gewerkschaft noch vor Monaten als anachronistisches Arbeitsmarkt-Anhängsel, so steht sie nach Rudolf Hundstorfers Aufstieg zum Sozialminister wieder höher im Kurs als jeder Blue Chip. Bis zu 100.000 Arbeitslose mehr in den nächsten fünf Jahren: Plötzlich stehen die bislang eher im Hintergrund agierenden Betriebsratskaiser unserer wankenden Paradebetriebe im Rampenlicht. - Wer sind sie? Wie ticken sie? Und was planen sie jetzt, um Jobs zu retten?
"Dann spielt's Granada"
Für Alfred Junghans, den wortgewaltigen Betriebsratschef des AUA-Bodenpersonals (50 Jahre, 5.900 Euro Bruttolohn, Belegschaft: 3.400 Mitarbeiter) ist spätestens mit dem Verkauf an die Lufthansa die Zeit nobler Zurückhaltung vorbei. Zumal beim ehemaligen National-Carrier bislang "Matrix-Manager am Werk waren, die statt von Menschen von Fulltime-Äquivalenzen sprechen".
Erhaltung von Marke und Wiener Head-Office, keinerlei Ausgliederungen, das seien die Hauptpunkte seines Forderungskatalogs. Und: "Sollte der Eigentümer auf die Idee kommen, das Unternehmen zu zerschlagen, spielt's Granada."
"Eher kein Hammer-und-Sichel-Kämpfer"
Thomas Stoimaier (37 Jahre, 3.500 Euro Bruttolohn, Belegschaft: 3.500 Mitarbeiter) setzt in hektischen Zeiten primär auf nostalgische Symbolik: zwei Männer mit Schutzhelmen und aufgebügelter Arbeitermontur, der große, alte Kreisky, Schwarzweißbild einer Grundsteinlegung im Poster-Format. "Jetzt geht es darum, die Stammbelegschaft abzusichern", so der Magna-Mann mit den Werberbrillen und dem dezenten Ho-Chi-Minh-Bärtchen.
Wi-der-stand? Seit Anfang November im Zuge der Autokrise auch an der Grazer Peripherie auf Kurzarbeit umgestellt wurde, ist der zweifache Familienvater und Mann einer Psychologin in erster Linie bemüht, Ängste abzubauen. "Wenn wir keine Aufträge reinkriegen, können wir Purzelbäume schlagen und werden dennoch keine Jobs schaffen", so der rote Realo, laut Eigendefinition "eher kein Hammer-und-Sichel-Kämpfer".
Die gemäßigte Alternative zum Purzelbaum? "Möglichst viele bildungswillige Freiwillige in unsere Arbeitsstiftung überzuführen, sodass sie auf zukunftsträchtige Berufe umsatteln können."
"Mich zieht sicher keiner über den Tisch"
Daheim im Keller spielt Österreichs derzeit populärster Revolutionär (mit Che-Konterfei am Handy-Display) am liebsten mit seiner Roco-Digitaleisenbahn. Doch auch dienstlich bleibt der oberste Postgewerkschafter (48 Jahre, 6.000 Euro Bruttoeinkommen, Belegschaft: 25.000 Mitarbeiter) strikt auf Schiene: "Der Arbeitskampf ist zu führen." Punkt. "Und zwar ohne faule Kompromisse." Punkt. "Und in Demut gegenüber der eigenen Funktion." Punkt. Aber nicht gegenüber Post-Vorstand Anton Wais.
Die erst kürzlich avisierte Streichung von 9.000 Jobs ist zwar abgeblasen - doch das sei laut Protest-Postler Fritz ohnedies nur ein "Ablenkungsmanöver" gewesen. "Derzeit steht die Schließung von 300 Filialen und der Abbau von 600 Zustellern als gefährliche Drohung im Raum." "Grausliche Maßnahmen, nett formuliert", befindet der zweifache Großvater und "erzogene Sozialdemokrat". Sollten sich die befürchteten Streichungen auch in den derzeit erstellten Aufsichtsratsunterlagen wiederfinden, so stehen ausgedehnte Streikmaßnahmen ins Haus. Denn: "Mich zieht sicher keiner über den Tisch, dafür bin ich viel zu schwer."
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