Telekom-Mitarbeiter gehen auf die Straße:
Besser Arbeitsplätze schaffen als abbauen
- Telekom-Vorstand weist heftige Vorwürfe zurück
- Mit dabei: AK-Präsident Tumpel, ÖGB-Chef Foglar

·Telekom-Probleme
im Festnetzsektor
1998 hatte die Telekom um 1000 Mitarbeiter mehr
·Preise für SMS im Ausland fallen ab 2009
Kommission deckelt Tarif auf 11 Cent im EU-Raum
Rund 90 Telekom-Austria-Mitarbeiter haben vor der Firmenzentrale in Wien-Leopoldstadt gegen einen geplanten Personalabbau demonstriert. Unterstützung erhielten die Demonstranten dabei vom frischgebackenen ÖGB-Präsident Erich Foglar, Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz.
Die Telekom hatte vor einem Monat den Abbau von 1.250 Stellen bis Ende 2009 und weiteren 1.250 bis Ende 2011 angekündigt. Darüber habe es nur "Scheinverhandlungen" gegeben, kritisierte Personalvertretungschef Michael Kolek. Statt Personal abzubauen, sollte das Unternehmen neue Ideen entwickeln und so Arbeitsplätze schaffen. Dazu sei er jederzeit gesprächsbereit. Ansonsten wäre es aber "innerhalb von einem Tag" möglich, einen Streik zu beschließen. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits.
Vorstand weist Vorwürfe zurück
Der Telekom-Austria-Vorstand wies in einem offenen Brief Vorwürfe der Arbeitnehmerseite zurück. Im Festnetz seien 2,5 Milliarden Euro investiert worden und damit mehr als bei vergleichbaren Festnetzbetreibern in Europa. Aber es würden nun nur mehr ein Viertel der Telefonate über das Festnetz geführt, die Preise seien seit der Liberalisierung vor zehn Jahren um 85 Prozent gefallen. Zugleich würden die Personalkosten "aufgrund der hohen Anzahl von beamteten Mitarbeitern jährlich um 25 Millionen Euro steigen".
Foglar stimmt Post-Streik zu
ÖGB-Chef Foglar kritisierte unterdessen, es sei "paradox", dass die Regierung zugleich "Hunderte Millionen" Euro zur Sicherung von Arbeitsplätzen ausgebe und in Post und Telekom, an denen der Staat maßgeblich beteiligt ist, den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen zulasse. Bei der Telekom, wo beamtete Mitarbeiter "freigestellt" werden, würden Menschen "wie Eisenbahnwaggons behandelt", das sei "unmenschlich, entwürdigend".
Nicht einmal eine Sekunde habe die Gewerkschaft gezögert, einem möglichen Post-Streik noch im Dezember zuzustimmen, sagte der frischgebackene ÖGB-Präsident .
Post-Gewerkschaftschef Fritz sagte am Rande der Veranstaltung, er lasse zur Zeit alle Varianten rechnen, wie die von der Schließung bedrohten 1.000 Postämter doch erhalten und gewinnbringend betrieben werden könnten. Es gebe höchstens "ein paar Dutzend, die wir vielleicht nicht hinkriegen", sagte er, die anderen "rechnen sich". Die konkreten Vorschläge werde er am 11. Dezember im Post-Aufsichtsrat einbringen.
(apa/red)
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