Mittwoch, 3. Dezember 2008

'Banken haben nicht so große Bedeutung für die kulturelle Identität wie der ORF'

  • NEWS: Wrabetz im Interview über sein Sparpaket
  • Über die großen herausforderungen seines Hauses

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über seine Sparpläne, die Reaktion der Regierung und die Verunsicherung im ORF.

NEWS: Ihr angekündigtes Sparpaket hat für viel Aufregung gesorgt. Einige werfen Ihnen vor, Sie würden die Wirtschaftskrise vorschieben, um von hausgemachten Problemen abzulenken.

Wrabetz: Dass die Weltwirtschaftskrise, über die man in allen Medien täglich lesen kann, die Situation für den ORF verschärft hat, müsste außer Streit stehen. Zusätzlich ist durch das Regierungsabkommen klar geworden, dass der ORF angehalten ist, alle Einsparungsmaßnahmen, die möglich sind, vorzunehmen. Das ist ein Auftrag, den wir jetzt umsetzen.

NEWS: Sie haben gemeint, der Staat würde jede „Pimperlbank“ unterstützen, nur der ORF kriege nichts. Fühlen Sie sich von der Regierung unfair behandelt?

Wrabetz: Nein, ich habe nur gemeint, dass es einerseits die sinnvollen Unterstützungen für die Banken gibt, aber dass sie andererseits vielleicht nicht so eine große Bedeutung für die kulturelle Identität des Landes haben wie der ORF. Aber im Regierungsprogramm ist auch das grundsätzliche Bekenntnis zu einer Finanzierung des ORF enthalten, die nicht so konkret ist, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber immerhin gibt es ein Bekenntnis dazu. Ich verstehe das auch als Gesprächsbereitschaft seitens der Regierung.

NEWS: Die Redakteursvertreter sorgen sich um die Qualität des Programms.

Wrabetz: Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Möglichkeiten der Rationalisierung und neuer digitaler Abläufe zu nutzen, um möglichst wenig an der Qualität des Programms zu verändern. Das wird für die Mitarbeiter sehr schwierig. Und mir ist klar, dass der Druck auf den Einzelnen noch mehr steigt. Jetzt wird es darauf ankommen, dass wir Führungskräfte haben, die unseren Mitarbeitern die schwierige Situation auch richtig kommunizieren.

NEWS: Ihr Infodirektor Oberhauser meinte, er sei nicht glücklich über die Art gewesen, wie Sie die Sparpläne kommuniziert hatten. Es habe ihn gestört, dass Printjournalisten anwesend waren.

Wrabetz: Es waren keine Printjournalisten direkt dabei. Aber zu glauben, dass man eine Veranstaltung, die auf 2.000 Monitoren in allen ORF-Standorten übertragen wird, als Geheimveranstaltung anlegen kann, wäre absurd. Das weiß auch Elmar Oberhauser. Das Einzige, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass ich den ORF-Direktoren ein wenig zu lang das Sparprogramm erklärt hatte, und daher zu spät zur Betriebsratsverhandlung gekommen bin.

NEWS: Sie sind als "Super-Alex" angetreten. Jetzt wird überall über Ihre Ablöse spekuliert. Wie gehen Sie damit um?

Wrabetz: Ich empfinde die Kommentierung unserer Sparmaßnahmen eher als positiv, weil fast überall aufmunternde Worte gefunden wurden. Und das Schlimmste für den ORF wäre, wenn es nicht ständige Spekulationen über den Generaldirektor gäbe. Denn dann wären wir nicht mehr so wichtig. Wir stehen vor der größten Herausforderung, die der ORF je hatte. Ich bin zuversichtlich, dass wir sie gemeinsam mit den Mitarbeitern positiv lösen werden. Und ich werde alles dafür tun, dass es sich um ein ausgewogenes Sparen handelt.

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3.12.2008 15:42