Mittwoch, 3. Dezember 2008

Ungarn will mit Euro schneller aus Krise: Schulden könnten rascher abbezahlt werden

  • 2009 Aufnahme in Wechselkursmechanismus geplant
  • Land erhält Rettungspaket in Höhe von 20 Mrd. Euro

Ungarn erwägt wegen der Finanzkrise eine frühere Einführung des Euro. "Wegen der Finanzkrise kann Ungarn eigentlich die Schulden viel früher abbezahlen als geplant. Dadurch kann man die Euro-Einführung in die nähere Zukunft rücken", sagte Finanzminister Janos Veres. Die Regierung habe kein offizielles Datum für den Beitritt zur Euro-Zone, wolle aber Ungarn bereits Ende 2009 in den Wechselkursmechanismus "ERM-2" - den Warteraum für die Eurozone - aufnehmen.

Die Wechselkursbindung ist eine wichtige Vorstufe zur Teilnahme an der Währungsunion. Die Landeswährung muss zwei Jahre lang am Europäischen Wechselkursmechanismus (ERM-2) teilgenommen und feste Bandbreiten ohne starke Schwankungen eingehalten haben.

Große Vorteile für Ungarn
Der Euro würde mehrere große Vorteile für Ungarn bringen, sagte Veres. Mit der Gemeinschaftswährung bestünde kein Spekulationsrisiko, wie dies in der Finanzkrise gegen den Forint der Fall war. Für Ungarns Außenhandels würden Geschäfte berechenbarer, derzeit sei die Fluktuation des Forint sehr groß. Der internationale Handel würde für beide Seiten billiger, sagte der Finanzminister.

"Vielleicht können wir auch noch einige strukturelle Reformen durchführen bis zur Euro-Einführung: Es geht um die Steuer-, die soziale und um die kommunale Reform", sagte Veres. Der Minister kündigte harte Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben an. So werde an Pensionisten nur noch die Durchschnittsrente in Höhe von 80.000 Forint ausbezahlt, Rentner unter 62 Jahren hätten keinen Anspruch auf eine 13. Monatspension mehr. Für Beamte im öffentlichen Dienst seien Gehaltserhöhungen auf Eis gelegt worden, sagte Veres. Generell würden die Ausgaben im Budget im kommenden Jahr nicht erhöht.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Union und die Weltbank haben Ungarn ein wirtschaftliches Rettungspaket in Höhe von 25,1 Mrd. Dollar (20 Mrd. Euro) gewährt, damit das vom Staatsbankrott bedrohte Land besser mit der Finanzkrise fertig wird.

(apa/red)

3.12.2008 11:42