"Raubvogel" Svindal wieder ganz der Alte:
Norweger meistert Schicksal in Beaver Creek
- Im Vorjahr Gestürzter übt sich nun in Bescheidenheit
- Österreichs Abfahrer warten weiter auf Abfahrtssieg
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So wie für Hermann Maier hat sich die Skiszene nun in Beaver Creek ausnahmslos über den Erfolg von Aksel Lund Svindal gefreut. Dass ausgerechnet der im Vorjahr auf der Birds of Prey so schwer gestürzte Norweger seinen Comebacksieg auf einer der anspruchsvollsten Abfahrten der Welt feierte, taugte jedem. Und wie es scheint, ist Svindal damit auch schon wieder Mitfavorit auf den Gesamtweltcup.
Das sieht auch Österreichs Abfahrtscoach Andreas Evers so. "Für mich war Aksel schon vor der Saison zusammen mit Bode Miller und Daniel Albrecht der Favorit", gab sich Evers nicht überrascht. "Aksel hat sich ja nichts am Bewegungsapparat verletzt. Und er ist ein derartiges Renntier, dass er schnell wieder der Alte war. Zudem ist er ja auch noch jung", so das Urteil des ÖSV-Coaches, der Svindal ebenfalls für einen ganz besonderen Skifahrer hält. "Er hat den Kopf, den Körper und das Können. So einen wie ihn gibt es in jedem Jahrzehnt nur einmal."
Svindal übt sich in Bescheidenheit
Svindal selbst wehrte sich dagegen, Favorit im Kampf um die große Kristallkugel zu sein, auch wenn er mit seinem Comebacksieg ex aquo mit Albrecht die Gesamtführung übernommen hatte. "Entweder wissen sie nicht, worüber sie reden, oder sie meinen einen anderen", wehrte er schmunzelnd ab. "Es gibt nicht viele, die eine ganze Saison pausiert und dann den Weltcup gewonnen haben. So einfach ist das auch wieder nicht", meinte der Gesamtsieger von 2007.
Er habe letztlich ja nur ein Rennen gewonnen, in dem Miller oder Didier Cuche schwere Fehler gemacht hätten. Selbst mit einem Podiumplatz hätte er eine Gewaltleistung erbracht, so Svindal, der sich am 27. Novemebr des Vorjahres bei seinem Trainingssturz in Beaver Creek mehrere Brüche im Gesicht und eine sehr tiefe und nur durch Glück nicht lebensgefährliche Schnittwunde im Unterleib zugezogen hatte.
"Sie mussten meinen Bauch aufmachen und nachschauen, ob alles noch unverletzt und am richtigen Platz war", scherzte Svindal über die notwendige Operation, nach der er wochenlang im Krankenbett gelegen war und 17 Kilo Körpergewicht verloren hatte. "Das meiste davon Muskeln. Der härteste Teil meines Trainings war, wieder richtig fit zu werden", erzählte er in Beaver Creek.
Österreichs Abfahrer weiter ohne Abfahrtssieg
Besondere Tricks habe er nicht angewandt. "Wenn man schon einmal einer der Schnellsten war, weiß man, wie man wieder dorthin zurückkommt. Viel Fitnesstudio und viel Skifahren", so Svindal. Viele würden einen besonders schlauen Weg suchen. "Man muss aber eher die normalen Sachen gut erledigen." Speziell vorbereitet habe er sich natürlich auf die Rückkehr auf die Raubvogelpiste. "Ich habe jedes vorstellbare Szenario durchgespielt. Trotzdem war ich nervös. Aber aus der Nervosität wächst auch Energie und ein Renntag lässt sowieso jede Furcht verschwinden."
Für Österreichs Abfahrer ist hingegen nach den Plätzen vier und fünf für Klaus Kröll und Michael Walchhofer in Beaver Creek besiegelt, dass sie mehr als ein Jahr ohne Abfahrtssieg bleiben werden. "In den vergangenen fünf Jahren haben so viele aufgehört, dass uns praktisch eine ganze Mannschaft fehlt. Und mit Hans Grugger, Andi Buder und Mario Scheiber sind derzeit auch noch drei potenzielle Podestfahrer verletzt. Grugger fehlt fast zwei Saisonen", lautete die Erklärung von Evers.
Scheibers Ausfall schmerzt
Vor allem Scheiber hätte das Zeug, um das Erbe der großen ÖSV-Abfahrer anzutreten. Der Tiroler hatte sich aber vergangene Woche in Lake Louise neuerlich am Knie verletzt und fällt sechs Wochen aus. "Ich hoffe natürlich, Mario wird auch noch der Erbe. Aber derzeit haben wir mit Michael Walchhofer und Klaus Kröll in der Abfahrt eben nur Zwei, die konstant vorne mitfahren können."
Auch Walchhofer selbst nahm die lange Durststrecke zur Kenntnis. Die nächste Abfahrt geht in Gröden in Szene, wo der Salzburger vergangenes Jahr den letzten ÖSV-Abfahrtssieg geholt hatte. "Ich hoffe sehr, dass es dort schon wieder klappt", gab sich der Salzburger zuversichtlich.
Auch der Ex-Weltmeister und Olympia-Zweite 2006 aus Zauchensee sieht den Grund für die lange Sieglosigkeit im großen Aderlass der vergangene Jahre. "Vor vier, fünf Jahren war unsere Abfahrtsmannschaft so stark, dass einer wie ich nicht einmal einen Startplatz bekommen hätte."
| Endstand: | ||||
| 1. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:43,85 Min. | |
| 2. | Marco Büchel | LIE | 1:43,91 | +0,06 |
| 3. | Erik Guay | CAN | 1:44,20 | +0,35 |
| 4. | Klaus Kröll | AUT | 1:44,33 | +0,48 |
| 5. | Michael Walchhofer | AUT | 1:44,50 | +0,65 |
| 6. | Didier Defago | SUI | 1:44,51 | +0,66 |
| 7. | Steven Nyman | USA | 1:44,57 | +0,72 |
| 8. | Ambrosi Hoffmann | SUI | 1:44,72 | +0,87 |
| 9. | Daniel Albrecht | SUI | 1:44,84 | +0,99 |
| 10. | Andrej Jerman | SLO | 1:44,90 | +1,05 |
| 11. | Peter Fill | ITA | 1:44,92 | +1,07 |
| 12. | Hermann Maier | AUT | 1:44,93 | +1,08 |
| 13. | Thomas Lanning | USA | 1:45,09 | +1,24 |
| 14. | Werner Heel | ITA | 1:45,21 | +1,36 |
| 15. | Didier Cuche | SUI | 1:45,24 | +1,39 |
| 16. | Christoph Gruber | AUT | 1:45,39 | +1,54 |
| 17. | Pierre-Emmanuel Dalcin | FRA | 1:45,48 | +1,63 |
| 18. | Adrien Theaux | FRA | 1:45,54 | +1,69 |
| 19. | Tobias Grünenfelder | SUI | 1:45,63 | +1,78 |
| 20. | Carlo Janka | SUI | 1:45,68 | +1,83 |
| 21. | Scott Macartney | USA | 1:45,72 | +1,87 |
| 22. | Yannick Bertrand | FRA | 1:45,82 | +1,97 |
| 23. | Manuel Osborne-Paradis | CAN | 1:45,92 | +2,07 |
| 24. | Robbie Dixon | CAN | 1:45,93 | +2,08 |
| 25. | David Poisson | FRA | 1:45,97 | +2,12 |
| 26. | Georg Streitberger | AUT | 1:45,99 | +2,14 |
| 27. | Marc Berthod | SUI | 1:46,08 | +2,23 |
| 28. | Erik Fisher | USA | 1:46,09 | +2,24 |
| 29. | Lars Elton Myhre | NOR | 1:46,23 | +2,38 |
| 30. | Cornel Züger | SUI | 1:46,29 | +2,44 |
(apa/red)
