Fünf Jahre Iran-Gespräche gescheitert: ElBaradei setzt nun viel Hoffnung auf Obama
- IAEO-Generaldirektor zieht negative Schlussbilanz
- "Sanktionen gegen Iran haben nichts genutzt"
PLUS: Iran testete neue Boden-Boden-Rakete

Der Generaldirektor der UNO-Atombehörde IAEO (IAEA) hat die diplomatischen Bemühungen der vergangenen fünf Jahre, den Iran von seinem Nuklearprogramm abzubringen, als gescheitert bezeichnet. Er setze nun besonders viel Hoffnung auf den künftigen US-Präsidenten Barack Obama, meinte IAEO-Chef Mohammed ElBaradei in einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Los Angeles Times". Im Rückblick hätten auch die Sanktionen gegen den Iran nichts genutzt, sondern eher zu einer Verhärtung der Position Teherans geführt. "Viele Iraner, die das Regime nicht mögen, haben sich ihm angeschlossen, weil sie ihr Land in einem Belagerungszustand wähnten."
Trotz aller Gespräche und der UNO-Sanktionen gegen den Iran gebe es bisher keine Fortschritte, klagte der Friedensnobelpreisträger. "Wir haben uns nicht einen Zentimeter auf die Lösung des Problems hin bewegt", sagte der 66 Jahre alte Diplomat aus Ägypten. "Ich glaube, bisher ist die Politik gescheitert". Nun setze er auf neue internationale Verhandlungen unter der Führung der Obama-Präsidentschaft. "Er ist bereit, mit seinen Gegnern, Feinden, wenn Sie wollen, eingeschlossen dem Iran und auch Nordkorea, zu sprechen", lobte ElBaradei. Die Weigerung, Gespräche zu führen, habe bisher die Probleme nur noch verschlimmert. Der IAEO-Chef plädierte für ein "großes Geschäft" zwischen dem Westen und dem Iran, das die Rolle des Iran in der Region anerkenne und ihm "die Macht, das Ansehen und den Einfluss" gebe, nach dem Teheran sich sehne.
ElBaradei wird in den USA und anderen westlichen Ländern allerdings wegen einer angeblichen Gutgläubigkeit gegenüber Teheran kritisiert. "Von einem westlichen Standpunkt aus gesehen, ist er zu schnell bereit, dem Iran im Zweifelsfall zu vertrauen. In manchen Berichten (der IAEO) werden iranische Vergehen und der Mangel an Kooperation eher verdeckt", zitierte die Zeitung den Rüstungsexperten Mark Fitzpatrick vom Internationalen Institut für strategische Studien (IISS) in London.
Raketentest
Der Iran hat nach offiziellen Angaben von einem Kriegsschiff aus erfolgreich eine neue Mittelstrecken-Rakete abgefeuert. Die Boden-Boden-Rakete "Nasr-2" habe bei ihrem erstmaligen Test wie geplant ihr Ziel in 30 Kilometer Entfernung zerstört, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA.
Der Test war Teil eines iranischen Marinemanövers im Golf von Oman, der für die weltweite Ölversorgung von großer Bedeutung ist. Der Iran hat angesichts der wachsenden Spannungen mit den USA und Israel gedroht, die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus zu blockieren.
(apa/red)
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