Samstag, 6. Dezember 2008

Erstes Treffen von Sarkozy und Dalai Lama:
China über "französische Premiere" erzürnt

  • Präsident: "Ich bin frei im meiner Terminplanung"
  • China ließ im Vorfeld bereits Gipfel mit EU platzen

Trotz heftiger Kritik aus China hat sich der französische Staatschef und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy in Polen erstmals mit dem Dalai Lama getroffen. Sarkozy sprach in Danzig am Rande der Feiern zum 25. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Gründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter.

Vor Beginn des Treffens sagte Sarkozy vor Journalisten, die Begegnung solle nicht dramatisiert werden. "Als Präsident der französischen Republik bin ich frei in meiner Terminplanung", führte er aus. Als derzeitiger EU-Ratspräsident vertrete er Werte und Überzeugungen. "Es war meine Pflicht, dies zu tun, ich tue es sehr gern", fügte der Präsident hinzu.

Zugleich wies Sarkozy auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen China und der EU hin. Die Welt brauche "ein offenes China", das sich in die internationale Politik einbringe, und China brauche "ein mächtiges Europa".

Die chinesische Regierung hatte aus Protest gegen Sarkozys Treffen mit dem Dalai Lama einen für vergangenen Montag in Lyon geplanten EU-China-Gipfel platzen lassen. China drohte Frankreich zudem mit politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, sollte Sarkozy das tibetische Exil-Oberhaupt treffen. Peking wirft dem Dalai Lama vor, die Loslösung Tibets von China zu betreiben. Dieser betont jedoch, dass er nur eine Autonomie für sein Volk innerhalb Chinas wolle. (apa/red)

6.12.2008 18:43