Freitag, 5. Dezember 2008

Afghanistan nähert sich wieder Pakistan an:
Treffen von Karzai und Zardari in Istanbul

  • Gemeinsamer Kampf gegen den Terror als Aufgabe
  • Dreier-Vereinbarung unter türkischer Vermittlung

Afghanistan und Pakistan wollen nach dem Ende der Eiszeit zwischen den Präsidenten beider Staaten den gemeinsamen Kampf gegen Terrorgruppen verstärken. Dabei müssten die Einheit und territoriale Integrität der Länder in der Region erhalten bleiben. Eine entsprechende Erklärung verabschiedeten der afghanische Präsident Hamid Karzai und sein pakistanischer Amtskollege Asif Ali Zardari am Freitag in Istanbul bei einem Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül. Seit der Wahl von Zardari seien die Kontakte "extrem gut", sagte Karzai.

Die bei dem Dreier-Treffen in Istanbul erzielte Vereinbarung sieht neben der Kooperation der Geheimdienste auch eine militärische Zusammenarbeit vor. Auch gemeinsame Fortbildungen für Polizisten und Soldaten werden in Erwägung gezogen. Nach den Worten von Gül wurde über eine "konkrete Zusammenarbeit der Institutionen" gesprochen. Die Rede war etwa von einer gemeinsamen Strategie zum Kampf gegen Drogenschmuggel - ein großes Problem, das der afghanische Opiumanbau in der Region nach sich zieht.

Andauernde Spannungen
Zwischen den Nachbarstaaten Pakistan und Afghanistan gibt es andauernde Spannungen. So wirft Kabul der pakistanischen Regierung seit langem vor, nicht genügend gegen die extremistischen Taliban und Al-Kaida-Terroristen in der Grenzregion zu unternehmen. Dort finden viele afghanische Rebellen Zuflucht und greifen dann wieder Ziele in Afghanistan an. Der afghanische Präsident Karzai hatte noch im Sommer mit einem Militärschlag gegen die islamistischen Taliban auf pakistanischem Boden gedroht.

Karzai und Zardaris Vorgänger, Ex-Militärmachthaber Pervez Musharraf, waren erbitterte Feinde. Selbst US-Präsident George W. Bush scheiterte 2006 daran, die Eiszeit zwischen den beiden Partnern im Anti-Terror-Kampf zu beenden. Damals weigerten sich Karzai und Musharraf in Washington, sich auch nur die Hand zu geben. Karzai war im September aber Ehrengast bei der Vereidigung von Musharrafs Nachfolger Zardari.

US-Fäden
Der scheidende US-Präsident George W. Bush dankte Gül in einem Telefonat für dessen Bemühungen, für mehr Zusammenarbeit zwischen Afghanistan und Pakistan zu werben. Er habe dem türkischen Präsident auch "für sein Engagement für einen stabilen und sicheren Irak" Dank ausgesprochen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, laut der türkischen Zeitung "Hürriyet".

Pakistan untersucht unterdessen mögliche Verbindungen der Attentäter von Bombay in das eigene Land. Zu den Hintergründen des Terroranschlags in Indien habe Pakistan eigene Ermittlungen begonnen, sagte Zardari in Istanbul auf die Frage, ob er Verbindungen in sein Land bestreite. "Der Focus von Pakistan liegt auf dem Kampf gegen Terror. Wir sind die Opfer von Terror", sagte er. Indien macht Hintermänner aus Pakistan für die koordinierten Terrorangriffe auf die Finanzmetropole Bombay (Mumbai) verantwortlich, bei denen vergangene Woche mehr als 170 Menschen getötet und knapp 300 verletzt worden waren.
(apa/red)

5.12.2008 20:00