Mittwoch, 3. Dezember 2008

Mann zündet sich im Wahn selbst an:
Frau steht in Wiener Neustadt vor Gericht

  • Opfer starb im Krankenhaus an den Verletzungen
  • Frau unterstützte seine religiösen Wahnvorstellungen

Ein Mordprozess um tödliche Verbrennungen eines 35-Jährigen ist am Landesgericht Wiener Neustadt fortgesetzt worden. Angeklagt ist die Ehefrau des Opfers und ein 33-Jähriger, angeblich der Liebhaber der Türkin. Die beiden sollen den Mann im September 2006 in Ternitz dazu ermutigt haben, sich selbst anzuzünden. Das Opfer, das an religiösen Wahnvorstellungen litt, starb.

Eines der Motive der Angeklagten: Lebensversicherungen des 35-Jährigen, die der Ehefrau zu gute kamen. Der 35-Jährige habe laut Staatsanwaltschaft geglaubt, er sei ein "Dede", ein Nachkomme Mohammeds. Der Türke habe in der Vorstellung gelebt, dass er nicht sterben werde, wenn er sich selbst anzünde. Am Tag des Vorfalls seien das spätere Opfer, seine Frau, der gleichaltrige Freund - angeblich ihr Liebhaber - sowie eine 34-Jährige zu einem ausgetrockneten Flussbett gefahren. Der 35-Jährige habe sich dort mit Benzin übergossen und angezündet. Als die Zeugin dem Mann helfen wollte, sei sie von den beiden Beschuldigten festgehalten worden. Das Oper erlitt schwerste Verbrennungen und starb an einem Herz-Kreislaufversagen.

Verdacht der Behörden
Ursprünglich war der Tod des Mannes als Selbstmord eingestuft worden. Durch anonyme Briefe Monate nach der Tat gerieten die beiden Angeklagten ins Visier der Behörden.

Zu Wort kam jene Zeugin, die dem 35-Jährigen bei dem Vorfall helfen wollte. Die Türkin meinte, der Mann habe sich für einen Heiligen gehalten. Das Opfer und seine Ehefrau hätten generell viel über Propheten und Glauben gesprochen. Dass sich ihr Mann etwas antun werde, habe sie sich niemals vorstellen können.

Keine Hilfe für Opfer
Sie habe den 35-Jährigen und seine Ehefrau rund sechs Monate vor dem Vorfall kennengelernt. Den Türken beschrieb die 34-jährige Zeugin als "lebenslustigen und sehr guten Mensch". Der Türke habe sich selbst verbrannt, seine Ehefrau ihm aber nicht geholfen, so die Türkin, die gesondert befragt wurde. Ihre Aussagen wurden via TV-Gerät in den Gerichtssaal übertragen.

Zu dem Vorfall gab die Türkin an, der 35-Jährige sei am Tatort in die Büsche gegangen und nass zurückgekommen. "Da hab ich gemerkt, dass er sich mit Benzin übergossen hat. Da war ich komplett schockiert", so die Zeugin. Die Ehefrau habe dann gesagt: "Was geschehen muss, geschieht". In der Folge sei alles sehr schnell gegangen.

Ehefrau sieht zu
Die Ehefrau hätte zugesehen ohne einzugreifen, als sich ihr Ehemann anzündete, so die Zeugin. Die 33-Jährige habe zudem "Allah, Allah" gerufen. Schockiert über den Vorfall sei die Frau nicht gewesen, gab die Zeugin an.

Die 34-Jährige habe noch zu den beiden Angeklagten gesagt: "Wir müssen helfen". Daraufhin habe die Ehefrau des Opfers entgegnet: "Gib Ruhe", meinte die Zeugin. Die Türkin erklärte, sie wollte zu dem 35-Jährigen laufen, um ihm zu helfen, als der Mann das Feuerzeug in der Hand hielt. "Und die (beiden Angeklagten, Anm.) haben mich zurückgehalten". Die beiden Beschuldigten hätten zudem zu keinem Zeitpunkt versucht, den 35-Jährigen von seinem Vorhaben abzuhalten.

Ob ein Urteil, wie ursprünglich erwartet, am Mittwoch gefällt wird, stand vorerst noch nicht fest. Geladen waren noch einige Zeugen sowie Gutachter.
(apa/red)

3.12.2008 12:02