NEWS-Redakteur Walter Pohl.
Pohl-Position: Kulturkampf

Warum sich eine 18-Jährige aus Wien vor der 'Abschiebung' fürchten muss.
Es sind die kleinen Geschichten abseits der großen Politik und ihren Religionen, die einem transparent machen, wie Menschen, die sie vertreten, ticken. Zum Beispiel folgende: In Wien lebt ein bildhübsches Mädchen namens Surah, sie ist 18 Jahre alt. Und sie ist die Tochter des Botschafters eines maßgeblichen arabischen Landes, der seit vielen Jahren die Interessen seiner Heimat hierorts vertritt. Die wesentliche Zeit ihres Erwachsenwerdens verbrachte Surah in Wien, besuchte das Gymnasium, absolvierte die Matura mit Bravour.
Sie spricht mindestens so perfekt Deutsch wie Arabisch, Englisch gleichfalls. Sie zieht mit ihren Bekannten um die Häuser, geht am Samstagabend tanzen, lebt durch und durch den westlichen Stil.
Mit Jahresende kehren ihre Eltern zurück ins Heimatland, weil dort höhere Regierungsaufgaben auf den Vater warten. Und Surah muss mit.
Aber sie will nicht. Ihr Freundeskreis ist in Österreich, ihr Leben ist österreichisch und ihr Freund auch.
Das ist ein gewaltiges Problem. Denn der Herr Papa hat Surah längst einem wohlhabenden arabischen Jüngling versprochen und ist geneigt, dieses Versprechen nun einzulösen. Surah sollte also den Rest ihres Lebens in einem goldenen Käfig zubringen, gefüttert mit allen Annehmlichkeiten des käuflichen Luxus: Edellabels aller Art, Kaviar und manchmal, wenn niemand hinschaut, Champagner. Das will Surah auch nicht. Logisch, irgendwie.
Deshalb ist Surah vor einigen Tagen von zuhause verschwunden. Sie lebt jetzt bei der Familie ihres Freundes in Wien und kämpft verzweifelt um ihr Bleiberecht. Sie ist noch Jungfrau und will sich ihre Unberührtheit nun von ihrem Freund nehmen lassen. Nicht nur aus Liebe, sondern auch aus taktischen Gründen: Denn damit wäre sie unten, im Land ihres Vaters, nicht mehr problemlos heiratsfähig.
Der Vater setzt alle Hebel in Bewegung, um seine abspenstige Tochter zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Ein Porsche-Cabrio? Kein Problem. Eine AmEx-Card aus Platin? Gleich geschehen
Aber Surah will trotzdem nicht runter gehen. Zumindest nicht ohne ihren Freund, der christlichen Glaubens ist. Und diese, ihre kleine Geschichte, passiert nicht in der Frühzeit politischer Aufklärung, sondern in der Jetztzeit, im Herbst des Jahres 2008...
