Mittwoch, 26. November 2008

Isabelle Daniel über ein unterschätztes Duo und was gute Chefs wirklich ausmacht

  • Wunschliste an Werner Faymann und Co.

Die meisten trauen Faymann und Pröll wenig zu. Das könnte sich als ihre große Chance erweisen.

Jetzt ist sie also da, die neue Regierung, über die sich so wenige freuen und über die viele hochnäsig die Nase rümpfen. Ja, Werner Faymann und Josef Pröll haben nicht viel gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der mit Glamour zu punkten weiß. Und auch vom zukünftigen US-Präsidenten Barack Obama und seiner Gabe, Träume zu inspirieren, trennt sie einiges. Sollen wir die neue rot-schwarze Regierung also verdammen und uns in Grauen von ihr abwenden?

Nein, wir sollten ihr eine Chance geben. Statt zu lamentieren, sollten wir eine Wunschliste an die beiden unterschätzten Regierungschefs adressieren:
n Bitte sorgen Sie für den nötigen Modernisierungsschub in diesem Land.
n Legen Sie Ihre Schwerpunkte auf Bildung, Forschung, Arbeitsplatzsicherung und einen neuen Mut.

Und vor allem: Bitte erweisen Sie sich als gute Chefs. Nicht nur für Ihre jeweiligen Parteien, sondern vor allem für die Regierung und damit für die Wähler. Zeichnen Sie sich durch das aus, was fähige Leader ausmacht: durch die Größe, auch Widerspruch und Eigenständigkeit in Ihrem Team zuzulassen, und seien Sie nicht parteiblind. Holen Sie bitte auch unabhängige Experten hinzu. Fachleute gegen die Krise und Freigeister. So wie es Ihnen einst Bruno Kreisky vorgezeigt hat. So wie es Ihnen heute Barack Obama vorlebt, der mit Hillary Clinton eine starke Rivalin in sein Team holt, die seine Schwäche – die Außenpolitik – wettmachen soll. Denn das zeichnet gute Chefs aus: dass sie wirklich die besten Leute um sich scharen und nicht nur Jasager und willige Vollstrecker. Werner Faymann und Josef Pröll haben Potenzial und die Gabe, auch anders Denkenden zuzuhören. Die meisten Kommentatoren trauen dem neuen Regierungsduo nicht allzu viel zu. Das könnte sich als ihre große Chance erweisen. Aber dafür müssen wir ihnen erst einmal eine geben.

26.11.2008 14:29