Dienstag, 25. November 2008

Mit den Promis auf Du und Du: "Herr Heinzl, sind Sie etwa 'Hi Society'-müde"?

  • Spürt man in den Beiträgen Society-Verdrossenheit?
  • TV-MEDIA im Talk mit Österreichs Promi-Kenner

Siebenmal pro Woche berichtet Mr. „Hi Society“ Donimic Heinzl auf ATV von der österreichischen Prominenz. Und tritt ihnen dabei gerne keck und frech auf die Füße. TV-MEDIA hat in den letzten Wochen die Sendung des 44-Jährigen Quotenbringers etwas genauer angeschaut. Ist da noch mehr Bissigkeit, gar Zynismus, zu spüren. Hat der Society-Journalist vielleicht gar die Schnauze voll von den oberen Hundert des Landes? Wir haben Dominic Heinzl einfach danach gefragt:

TV-MEDIA: Wir haben uns Ihre Beiträge angeschaut, und festgestellt, dass sie süffisanter sind, schon fast zynisch?
Heinzl: Zynisch? Boshaft ja, aber zynisch nein. Ich habe ein Regulativ an Persönlichkeiten, die bewusst meine Sendung schauen, und mir sofort Feedback geben. Wenn denen Zynismus auffiele, würde ich mich sofort zurücknehmen. Das würde ja bedeutet, dass ich meine Arbeit nicht mehr schätze, und das ist nicht der Fall. Ich habe ja Spaß daran.

TV-MEDIA:: Auch wenn Sie den Job schon seit über zehn Jahren machen?
Heinzl: Gerade deswegen. Als Anfänger muss man sich viel überwinden, weil man noch niemanden kennt. Aber dann werden die interessanten Persönlichkeiten nette Bekannte, die man regelmäßig trifft. Es ist jeder Abend neu und spannend. (Pause). Sie glauben mir kein Wort?

TV-MEDIA: Nein.
Heinzl: Ehrlich, der Spaß wird größer. Ich glaube sogar, dass meine Sendung jetzt viel geschliffener ist. Wenn ich mir Beiträge von vor drei Jahren anschaue, kommen sie mir im Vergleich zu jetzt viel dilettantischer vor.

TV-MEDIA: Bei all den Lugners – wird das ganze nicht langweilig?
Heinzl: Die Lugners sind das Salz in der Suppe. Wenn man täglich 25 Minuten Society-TV produziert, kommt man um Lugner, Schiller & Co nicht herum. Jeder ist willkommen, nur der eine wird mit mehr Boshaftigkeit bedacht, der andere weniger. Wie sie es halt brauchen.

TV-MEDIA: Wer?
Heinzl: Die Prooomis (spricht es lang gezogen aus). Ich hasse dieses Wort.

TV-MEDIA: Wie würden Sie sie nennen?
Heinzl: (überlegt) Nennen wir sie die Hauptdarsteller meiner Sendung.

TV-MEDIA: Ist die Rollenverteilung nicht oft zu böse?
Heinzl: Überhaupt nicht. Wenn Sie mir sagen, ich sei zu nett und zu anbiedernd, würde ich mir mehr Sorgen machen. Vielleicht bin ich manchmal zu boshaft, aber wen betrifft das? Niemand, der es nicht verdient.

TV-MEDIA: Zum Beispiel?
Heinzl: Ich war am Nachmittag auf einer Champagner-Degustation, bei denen Leute waren, die sich in ihrem Leben wahrscheinlich noch keine einzige Champus-Flasche gekauft haben. Und die sollen ihn bewerten? Da kann man doch verstehen, dass ich „übel gelaunt“ bin?

TV-MEDIA: Wer musste daran glauben?
Heinzl: Da tauchen Namen auf wie Andy Lee Lang, der auch zugibt, noch nie im Leben eine Flasche Champagner gekauft zu haben, da waren Gäste wie Waltraud Haas und Erwin Strahl. Die Leute stimmen ab, verstehen Sie, da muss ich ja aufmerksamer sein.

TV-MEDIA: Sie führen Ihre Interviewpartner auch gerne aufs Glatteis. Und stellen ihnen zum Beispiel Fragen, auf die es keine Antwort gibt...
Heinzl: Ja, manchmal mach ich das. Man darf das aber nicht zu ernst nehmen. Es gibt ja auch niemanden, der auf mich tödlich beleidigt wäre.

TV-MEDIA: Was ist mit Frau Schiller?
Heinzl: (schmunzelt). Die vielleicht schon.

TV-MEDIA: Ihr sprecht also immer noch nicht miteinander?
Heinzl: Erst kürzlich hat eine Zeitung versucht, uns an einen Tisch zu bringen, damit wir uns austauschen. Das habe ich abgelehnt. Ich liebe diesen Zustand.

TV-MEDIA: Ja, ein paar Feinde braucht man ja eh.
Heinzl: Das ist ja kein Feind. Das ist wie ein großes Kasperltheater. Der Lugner ist das Kasperl und ich bin das Krokodil, und die Schiller ist die böse Hexe. Da hat jeder seine Rolle. Und den Strolchi gibt’s auch hin und wieder.

TV-MEDIA: Den spielt wer?
Heinzl: Das ist von mal zu mal verschieden. Im Moment ist es eine junge Dame, die heißt Lia Wella, das ist unser Strolchi, und wird viel gestreichelt.

TV-MEDIA: Dass Ihre Sendung funktioniert, beweisen ja auch die Quoten. Die steigen seit Jahren kontinuierlich an. Eine gute Portion Bissigkeit kommt also gut an.
Heinzl: Ich finde es schön, wenn die Sendung angenommen wird. Ich glaube auch nicht, dass die Menschen diese Anbiederungen wollen. Klar muss man sie auch streicheln, das gehört zum Geschäft.

TV-MEDIA: Nächster Versuch: Sie haben gesagt, Sie glauben nicht, dass Sie zynisch sind, weil sie darauf keine Reaktionen bekommen. Welche meinen Sie?
Heinzl: Ich kriege täglich mails von Zuschauern, da ist natürlich wenig Lob dabei. Vielmehr wird gerne die Aussprache von Schauspielern, Musiker kritisiert. Wenn ich aber fünf mails als Reaktion auf meine Sendung bekommen würde, in der steht, ich sei boshaft und deswegen die Sendung boykottiert wird, dann ist das Alarmzeichen rot.

TV-MEDIA: Man spürt also keine Society-Verdrossenheit?
Heinzl: Ganz im Gegenteil. Ganz ehrlich. Ich würde Ihnen sagen, wenn es anders wäre: es macht mir verdammt viel Spaß. Das fängt damit an, dass ich lauter Leute in meinem Team habe, mit denen ich gerne ausgehe. Der Job ist nicht wie jeden Tag aufstehen und ins Büro gehen müssen. Ich habe keine Freunde in der Society. Ich will nicht dazugehören. Ich bin das Bindeglied zwischen der Gesellschaft und dem Zuseher. Und da darf man sich nie vereinnahmen lassen. Oder glauben, man ist einer von denen. Es gibt Journalistinnen, die mehr Teil der Society als Journalistinnen sind. Ich wollt nie einer von denen sein.

TV-MEDIA: Warum wollen Menschen DIE Society sein?
Heinzl: Die Antwort kann nur sein: weil sie sich gerne in der Zeitung oder im Fernsehen sehen. Der Lugner zum Beispiel schneidet feinsäuberlich jeden Artikel über sich aus, und heftet sie in eine Mappe.

TV-MEDIA: Unser Herr Lugner halt... Was würden wir ohne ihn machen...
Heinzl: Wir haben uns alle schon die Frage gestellt: was passiert, wenn der Lugner einmal stirbt. Aber es auch ein Antel gestorben. Es geht immer irgendwie weiter. Dann kommen andere zum Zug. Wie etwa eine Lia Weller, wenn sie die Charts stürmt, mittlerweile sind auch Luttenberger*Klug so halbe Society.

TV-MEDIA: Wundert Sie überhaupt noch etwas?
Heinzl: ...das manche Menschen einfach kein zuhause mehr haben.

TV-MEDIA: Sie meinen die Berufsausgeher?
Heinzl: Ja, Birgit Sarata zum Beispiel, sie hat drei Outfits pro Abend mit. Sie zieht sich um und fährt von Veranstaltung zu Veranstaltung, und zeiht dort überall ein „lalala“ ab. Ich wäre an ihrer Stelle lieber zu Hause. Aber Gott sei dank gibt es diese Leute, sonst würde uns die Kundschaft ausgehen. Aber oberflächlich finde ich das schon.

TV-MEDIA: Aber Sie sind Teil davon.
Heinzl: Nein, ich bin nur Beobachter. Wenn ich die Möglichkeit hätte: Ich hätte eh gerne die echte Society. Ich würde gerne mit der Flick und ihrer Jacht nach Amerika fahren. Und eine Homestory machen, mit ihr und ihrem Freund. So eine Geschichte wäre mein Traum. Nur die bekommst du nicht. Oder mit Julius Meinl nach London fliegen und schauen, was er den ganzen Tag so macht.

TV-MEDIA: Tja, die echte Society...
Heinzl: ...will reich sein, aber nicht berühmt.

TV-MEDIA: Wie lange willst du diesen Job noch machen?
Heinzl: Das hab ich damals schon bei Ö3 gesagt. Solange, bis der Punkt gekommen ist, an dem ich nicht mehr will. Da weiß ich noch, da hab ich aufgelegt und hab mir gedacht, heast wo isn die Motivation. Das ist Routine, ich will nicht mehr. Das kann morgen sein, das kann in fünf Jahren sein. Diesen Job kannst du im Prinzip bis in die Pension machen. Wahrscheinlich nicht vor der Kamera, aber es wird dir nie langweilig. Es geht um Menschen. Und Society ist ja nicht nur Klatsch und Tratsch. Das muss ja auch gesagt werden. (betont) Wir gehen der Wahrheit auf den Grund und verbreiten keinen Klatsch und Tratsch. Tratschen heißt laut Duden-Lexikon nichts anderes als denunzieren. Und das tun wir nicht. Ich sag meinen Leuten immer: wir pieksen nur, wir wollen niemanden vernichten. Wir machen uns über sie lustig. Wenn einer nicht über sich lachen kann, dann steht er erst bei mir auf der Rolle. Und da ist die Schiller ein Superkandidat.

TV-MEDIA: Danke schön für das Gespräch.
Heinzl: Sorry, ich kann Ihnen mit der Geschichte, dass ich society-müde bin, leider nicht dienen, aber wenn ich aufhöre, sind Sie die erste, die es erfährt.

TV-MEDIA: Na dann, bis zum nächsten Mal.

Katja Oberauer

25.11.2008 14:58