AUA-Debakel nimmt neue Dimensionen an:
Jetzt drohen 400 Millionen Euro Nettoverlust
- Flugline erhält von ÖIAG Gesellschafterdarlehen
- Rückzahlbar in sechs Monaten und bei EU anzumelden

·NEWS: Der Flugplan des AUA-Kranichs
Wie Lufthansa der Airline
neue Flügel verleihen will
·Luftfahrt: "Karten werden neu gemischt"
AUA-Chef Alfred Ötsch
im NEWS-Interview
Als Zwischenfinanzierung wird die krisengeschüttelte Austrian Airlines (AUA) von der Noch-Hauptaktionärin ÖIAG ein auf sechs Monate befristetes Gesellschafterdarlehen bekommen. Dies wurde der APA am Freitag Abend aus informierten Kreisen mitgeteilt. Das Darlehen werde "in ausreichender, dreistelliger Millionenhöhe" sowie "marktkonform verzinst" sein und normal rückzahlbar. Es muss aber - wie der zugrundeliegende Schuldennachlass selbst - bei der EU notifziert werden.
Beschlossen werden dürfte das Darlehen zum gesamten Vertragswerk im Zusammenhang mit dem Verkauf an die Lufthansa im ÖIAG-Aufsichtsrat am 5. Dezember. Normale neue Bankkredite standen ebenso wenig zur Diskussion wie kurzfristige Kapitalmaßnahmen.
Dass die AUA überraschend die neuen Belastungen durch Flugzeugabschreibungen und Kurswertberichtigungen signalisierte und als neue Verlustprognose für 2008 eine mögliche Gesamtsumme bis zu 475 Mio. Euro angab, ist auf Anraten der Börsenaufsicht (FMA) geschehen.
Die Börsegesetzbestimmung, wonach bei drohendem Verlust von mehr als dem halben Grundkapital eine Hauptversammlung einzuberufen wäre, gilt laut Experten nur für den Einzelabschluss, nicht für den Konzernabschluss nach IFRS. Im Fall der AUA würde dies deshalb noch nicht schlagend. Außerdem werde sie ohnedies mit nächstwöchigem Vertrag an die kapitalstarke Lufthansa verkauft. Trotz der Beteuerung der AUA, die neue Prognose beschädige den Verkaufsprozess nicht, hat die neue Verlustwarnung für Aufmerksamkeit gesorgt, weil eben der Vertrag mit den Deutschen noch nicht in trockenen Tüchern sei.
(apa/red)

