Angekündigte Sparpläne schlagen hohe Wellen: ORF will fast 1.000 Stellen abbauen
- Personal mit Ausgliederung & Kündigungen reduziert
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Am Tag nachdem ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die einschneidendsten Strukturmaßnahmen "in der Geschichte des Unternehmens" angekündigt hat, bekam er Rückendeckung von einigen seiner Direktoren. Peter Moosmann, Technischer Direktor des ORF, hat "Verständnis für die Maßnahmen in dieser überaus schwierigen Situation", sagte er.
Ein Teil von Moosmanns Mannschaft ist von den geplanten Ausgliederungen betroffen. Laut Moosmann betreffe das im ersten Zug rund 80 Mitarbeiter in der Ausstattung und weitere 30 im Bereich IT. Es gehe nun darum, Details der Auslagerung zu erarbeiten und "sinnvolle Wege zu evaluieren". Dass der Sparstift an der größten Abteilung innerhalb des ORF nicht vorübergeht, kann Moosmann nachvollziehen. Es müssten auch hier Strukturen bereinigt und Kosten gesenkt werden, so der Direktor.
Onlinedirektor begrüßt Reform
Onlinedirektor Thomas Prantner begrüßte die angekündigten Strukturveränderungen, wodurch "eine Aufwertung und Erweiterung von Aufgaben im Bereich der Neuen Medien" stattfinde. Prantner wurde "mit einem zusätzlichen Projekt" betraut, nämlich den Umbau von TW1 in einen Informations- und Kulturkanal vorzubereiten, wie er der APA erläuterte. Er freut sich auf "dieses äußerst spannende Projekt", das er gemeinsam mit der Mannschaft von Onlinedirektion und TW1 angehen will. Seine Direktion bleibt, wie alle anderen, bis zum Ende der Geschäftsführungsperiode Ende 2011 erhalten, betonte Prantner.
Verständnis des Stiftungsrates
Bei den ORF-Stiftungsräten stößt das von Generaldirektor Alexander Wrabetz präsentierte Struktur- und Sparpaket grundsätzlich auf Verständnis. Für Karl Krammer, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, fehlt allerdings noch der größere visionäre Rahmen. Man müsse die Einzelmaßnahmen in ein Zukunftskonzept einbetten. Es gehe darum, zu definieren, wo der ORF in drei oder fünf Jahren stehen will, findet auch der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl.
Wenn die Strukturmaßnahmen nicht so rasch wie möglich umgesetzt werden und Wrabetz dazu nicht auch die Rückendeckung der Politik bekommt, brauche man sich um die Zukunft des ORF keine Sorgen mehr zu machen, denn "dann gibt's das Unternehmen in fünf Jahren so nicht mehr", meinte die grüne Stiftungsrätin Monika Langthaler. Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises", hält "Reformen und Spargesinnung für richtig". Allerdings seien die Ankündigungen von Wrabetz "kein auf Durchführbarkeit geprüftes Strukturkonzept".
Redakteure befürchten Aushungern
Die ORF-Redakteure befürchten eine "Aushungerung redaktioneller Bereiche". Sie kritisierten in einer Aussendung, dass Wrabetz "zwar ausführlichste Vorstellungen zum Abbau hunderter Mitarbeiter und zur Verschlechterung von Verträgen - ausgenommen Direktorenverträge - präsentiert, aber keinerlei Vorstellungen zu grundsätzlichen Entwicklungen des Programmangebots".
Der ORF befinde sich in einer "sehr, sehr ernsten Situation" und daher seien "Konzepte zu dessen Stärkung und nicht zu dessen Schwächung gefragt", findet der Redakteursrat des ORF. Die ORF-Journalisten wollen daher "alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, dass umgehend eine breite, inhaltsreiche Diskussion zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Unternehmen, mit dem Stiftungsrat, mit dem Gesetzgeber und vor allem auch mit dem ORF-Publikum geführt wird".
Würden die Vorschläge der Geschäftsführung realisiert und die Redaktionen weiter ausgehungert werden, "dann wäre der ORF nicht mehr in der Lage seine demokratiepolitischen und für die nationale Identität dieses kleinen Landes unverzichtbaren öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben zu erfüllen", fürchtet der Redakteursrat.
Ende des Küniglbergs
Wrabetz' Ankündigung, er forciere einen Wegzug vom Küniglberg und eine Zusammenlegung der verschiedenen Wiener ORF-Standorte, stieß bei Krammer und Langthaler auf Zustimmung. Krammer meinte, die Planung eines solchen Umzuges führe dazu, "dass man eine Vision für das Unternehmen entwickeln muss. Für die Beschäftigten würde das einen 'Change'-Prozess in Gang setzen", glaubt Krammer. Grundsätzlich gelte es, den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, sind sich der rote und die grüne Rätin einig. Langthaler plädierte darüber hinaus auch für die Verkleinerung des Stiftungsrates.
Der Stiftungsratsvorsitzende, Klaus Pekarek, wollte sich am Freitag noch nicht zu den Ankündigungen des ORF-Generals äußern. Er werde sich die Unterlagen "im Detail zu Gemüte führen und im Rahmen des Finanzausschusses am Donnerstag besprechen". Für Küberl war es "klar", dass der ORF nun derart drastische Maßnahmen treffen muss. "Je später Maßnahmen gesetzt werden, desto umfangreicher sind sie. Und die Debatte um Sparmaßnahmen geht schon ein gutes Jahr." Die Maßnahmen im Personal- und Strukturbereich, die jetzt vorgelegt wurden, seien "unbedingt notwendig".
Medwenitsch wies darauf hin, dass vor allem die Personalmaßnahmen noch ORF-intern verhandelt werden müssen. "Und ich befürchte, dass Wrabetz das Friendship-Ticket der Belegschaftsvertretung gestern verspielt hat", so Medwenitsch mit Blick auf den Eklat zwischen dem Zentralbetriebsrat und der Geschäftsführung am Donnerstag. Einige Stiftungsräte kritisierten auch, dass sie erst rund 24 Stunden nach der ORF-Belegschaft informiert wurden. Die meisten von ihnen hatten am Freitagmittag von der Geschäftsführung noch keine Unterlagen erhalten.
(apa/red)

