Spritpreis bleibt im EU-Vergleich teuer:
Preis sinkt langsamer als in anderen Staaten
- ARBÖ kritisiert schwerfällige heimische Preispolitik
- Mineralölindustrie weist Vorwürfe entschieden zurück

Tanken ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich billiger geworden - allerdings zu wenig, kritisiert der Autofahrerclub ÖAMTC. Bei der Entwicklung der europäischen Nettopreise seit dem Höchststand im Juli 2008 gebe es in Österreich "noch einigen Nachholbedarf", so ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brandau in einer Aussendung.
In Deutschland sei der Nettopreis bei Superbenzin seit dem Sommer um 48,5 Prozent nach unten gegangen, in Schweden um 47,1 Prozent. In den Niederlangen habe der Rückgang 49,8 Prozent und in Großbritannien 44,3 Prozent betragen. In Österreich sei Superbenzin nur um 37,8 Prozent billiger geworden.
Ein ähnliches Bild zeige sich bei Diesel. Hierzulande seien die Diesel-Nettopreise um 32,7 Prozent gesunken. In Deutschland aber betrage das Minus 36,4 Prozent, in Schweden 37,2 Prozent und in den Niederlanden 35,9 Prozent. In Großbritannien habe der Preis um 36,6 Prozent nachgegeben und in Dänemark um 37,6 Prozent.
"Kein plausibler Grund" für Preisgestaltung
Für die unterschiedliche Preisgestaltung der Mineralölfirmen gebe es "keinen plausiblen Grund", so Brandau. Superbenzin koste heute an der Tankstelle durchschnittlich 0,996 Euro je Liter (Bruttopreis), Diesel 1,074 Euro je Liter. "Mit deutschen Nettopreisen müssten die Österreicher derzeit um rund fünf Cent pro Liter weniger bezahlen", rechnet der Autofahrerclub vor.
Verärgerte Autofahrer können zwar die Preise nicht ändern, sich aber auf der ARBÖ-Homepage über die mehrmals täglichen Preisänderungen an den Tankstellen empören. Ziel der Internetaktion "Gemeinsam gegen den Tankstellen-Nepp" sei es, Fallbeispiele zu sammeln und sie an die Arbeiterkammer (AK) weiterzuleiten, so der Club in einer Aussendung. Die AK hat gestern gegen ein Mineralölunternehmen eine Klage nach dem Gesetz des unlauteren Wettbewerbs (UWG) eingebracht. Unabhängig davon prüfe der ARBÖ, ob sich die Verordnung des scheidenden Wirtschaftsministers Martin Bartenstein (V) als brauchbare Handhabe gegen häufiges Ändern der Tankstellenpreise während eines Tages erweist.
Mineralölindustrie weist Kritik zurück
Der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) hat die Vorwürfe des ARBÖ, wonach die österreichischen Spritpreise im Europa-Vergleich nicht genug gesunken seien, einmal mehr zurückgewiesen. Die Zahlen des Autofahrerclubs "stimmen nicht" - laut FVMI-eigenen Berechnungen sei das Preisniveau in Österreich mit jenem in Deutschland vergleichbar, so FMVI-Geschäftsführer Christoph Capek in einer Aussendung.
Beim Nettopreis für Ottokraftstoffe (durchschnittliche Tankpreise ohne Steuer) habe es seit dem 30. Juni eine Preisreduktion von 47 Prozent gegeben. Der Diesel-Nettopreis sei um 38,6 Prozent zurückgegangen.
(apa/red)

