Lenzing bleibt nun doch in Oberösterreich:
Faserhersteller von B&C Holding erworben
- Verkaufspläne an indische Birla sind damit vom Tisch
- Land Oberösterreich übernimmt Haftung für den Deal

·Stockende Gewinn-
Aussichten für Lenzing
Steigender Umsatz ohne Zuwachs bei Nettogewinn
·Österreich erwartet Konjunktur-Schwäche
IHS-Studie prognostiziert geringe Verlangsamung
·Globale Krise schlägt sich auf Konjunktur
Wirtschaftswachstum in Österreich mit Risiken
Nach Gerüchten um den Einstieg des indischen Mitbewerbers Birla ist der Verbleib des börsenotierten Faserherstellers Lenzing in Oberösterreich gesichert. Mit einer Landeshaftung will das Land Oberösterreich einen der wichtigsten Leitbetriebe in der Region halten. Das Land sichert sich auf diesem Weg über ein Pfandrecht die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie an dem börsenotierten Konzern.
Die Landeshaftung von bis zu 400 Mio. Euro ist Teil eines komplizierten Deals, mit dem sich die Bank Austria vom Nicht-Kerngeschäft weiter zurückzieht. Ihre Industriebeteiligungen (Lenzing, Porr, Semperit, etc.) hat die Bank im Jahr 2000 in eine Stiftung - die B&C Stiftung - geparkt. Verwaltet werden die Geschäfte von der B&C Industrieholding, die eine Tochter der B&C Stiftung ist. Am Aktienkapital beteiligt war die Bank damit nicht mehr an den Industrieunternehmen, sie erhielt aber Genussrechte an der B&C. Die standen zum Verkauf, als Gesamtpaket. Ein Hintergrund: Daraus resultierende Buchgewinne fließen in die Bank Austria Bilanz und kommen so auch als Ausschüttung der Bankmutter UniCredit zugute.
B&C Holding wird Genussrechte selber kaufen
Als andere Interessenten absprangen, zeichnete sich ab, dass die B&C Holding (oder eine Zwischengesellschaft) die Genussrechte selber kaufen will. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben. Aber es geht um eine Summe von bis zu 1,2 Mrd. Euro, wie es heißt.
An dieser Stelle nun tritt das Land Oberösterreich auf den Plan, was Lenzing betrifft. Denn Lenzing kann in der jetzigen Stiftungsstruktur weder einzeln herausverkauft werden noch gibt es einzelne Genussrechte an Lenzing, sondern nur Genussrechte, die die Bank an allen Beteiligungen der B&C Stiftung im Paket hat.
Wie aus einem Initiativantrag des Oberösterreichischen Landtags bekanntwurde, wird der "Rückkauf" der gesamten Genussrechte von der Bank Austria großteils aus von der B&C aufzubringenden Mitteln sowie aus der Aufnahme eines Kredits über 650 Mio. Euro finanziert. In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass Raiffeisen Oberösterreich maßgeblicher Kreditgeber dafür ist.
Land Oberösterreich übernimmt für 350 Mio. Euro Haftung
Für einen Teil dieser Kreditsumme, nämlich für 350 Mio. Euro (samt Zinsen bis zu einem Höchstrahmen von 400 Mio. Euro) übernimmt das Land Oberösterreich nun die Haftung. "Wir wollen auf keinen Fall riskieren, dass das Unternehmen ins Ausland geht", betonte Landeshauptmann Josef Pühringer (V) in einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz.
In den vergangenen Monaten waren immer wieder Gerüchte um den Verkauf der Genussrechte an Mitbewerber aufgetaucht. Ein Einstieg des indischen Birla-Konzerns wurde stets dementiert. Zumal auch nicht an einzelnen B&C-Stiftungstöchtern Genussrechte bestehen, sondern nur im Paket an allen Industriefirmen zusammen.
Rätselraten um Zukunft hat ein Ende
Der Mitte November bekanntgegebene Wechsel von Lenzing-Vorstandschef Thomas Fahnemann zum Feuerfestproduzenten RHI sorgte für weitere Unruhe. Mit der heute präsentierten Lösung hat das Rätselraten um die Zukunft des Unternehmens vorerst ein Ende.
Die Lenzing AG habe sich mehrmals an ihn gewandt und um Mithilfe bei einer österreichischen Lösung gebeten, berichtete Pühringer. Nach eingehenden Prüfungen auf EU-Konformität habe sich der Rückkauf der Genussrechte, der noch heuer abgeschlossen werden soll, als einzig gangbares Instrument herausgestellt. Im Garantiefall kann das Land mit der Übertragung von 25 Prozent plus eine Aktie rechnen.
Im Gegenzug für die Haftungsübernahme gibt es für das Land Oberösterreich ein "marktübliches" Haftungsentgelt, Nominierungsrechte für je einen Aufsichtsrat in B&C-Holding und Lenzing, Sicherheiten (in Form des Pfandrechts samt Call Option auf die Sperrminorität der Lenzing sowie auf die Hälfte der Dividendenerträge der B&C Holding).
Wie die Rating-Agentur Standard & Poor's mitgeteilt habe, könnte das Land Oberösterreich bis zu 1 Mrd. Euro an Haftungen übernehmen, ohne sein Triple-A-Rating zu gefährden, berichtete Pühringer. Auch bei anderen gut wirtschaftenden Unternehmen sei eine Unterstützung vorstellbar. "Das ist nicht nur eine Causa Lenzing", erklärte der Landeshauptmann.
SPÖ, Grüne und FPÖ in seltener Einigkeit
Die SPÖ warne seit Jahren vor dem Verkauf von börsenotierten Unternehmen ins Ausland, betonte ihr Landesparteichef Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider. Lenzing verdiene sich "die volle Unterstützung", die Sicherung von Arbeitsplätzen in Oberösterreich sei die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre. Umweltlandesrat Rudi Anschober (G) machte auf die Technologieführerschaft des Unternehmens aufmerksam, es stocke gerade seine Forschungsabteilung auf. In Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise habe die Jobsicherung oberste Priorität. Ein gemeinsames Vorgehen "gegen ausländische Einflüsse" sei wichtig, so FPÖ-Klubobmann Günther Steinkellner. Vom Vorzeigeunternehmen Lenzing würden auch viele Kleinunternehmer in der Region profitieren.
Die Lenzing AG, deren Wert Morgan Stanley mit 1,2 Mrd. Euro beziffert, erwartet nach dem Rekordjahr 2007 - der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich von rund 107 auf 160 Mio. Euro - heuer das zweitbeste Ergebnis in ihrer Geschichte. Das Unternehmen beschäftigt knapp 6.000 Mitarbeiter. B&C hält neben Lenzing auch Anteile u.a. an Porr und Semperit.
(apa/red)

