Montag, 24. November 2008

Euro-Wirtschaft wird 2009 schrumpfen:
Euroframe veröffentlicht neue Prognosen

  • Stimmung in Deutschland verschlechtert sich weiter
  • Münchener ifo-Institut publiziert Umfragedaten

Die Serie der Hiobsbotschaften reißt nicht ab. Nachdem in den vergangegen Tagen der IWF seine erschreckenden Prognosen präsentiert hat, sind jüngst nun Daten zum Euro-Raum und zu Deutschland veröffentlicht worden. Für das Jahr 2009 wird ein Rückgang der Wirtschaft im Euro-Raum von 0,4 Prozent erwartet. In Deutschland hat sich die Stimmung in der Realwirtschaft deutlich verschlechtert.

Im kommenden Jahr wird die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum um 0,4 Prozent schrumpfen. 2010 soll es ein Wachstum von 0,5 Prozent geben, so die Prognose veröffentlichten Studie der Forschergruppe Euroframe. Erst im Jahr 2011 werde die Wirtschaft "wieder auf einen mäßigen Wachstumspfad zurückkehren" (+1,6 Prozent). Auch in den USA, Japan und Großbritannien wird 2009 ein Rückgang der Wirtschaftsleistung erwartet.

Sinken der Inflationsrate
Für das Jahr 2009 erwarten die Forscher im Euro-Raum ein Sinken der Inflationsrate auf durchschnittlich 1,7 Prozent. 2010 soll sie auf 1,4 Prozent zurückgehen. In den USA wird im 2. Halbjahr 2009 ein Preisrückgang für möglich gehalten.

"Im Gefolge der Verlangsamung des Preisauftriebs" im Euro-Raum dürfte die EZB in den nächsten sechs Monaten den Leitzinssatz auf 2 Prozent herabsetzen, lautet die Prognose der Gruppe, der zehn europäische Wirtschaftsforschungsinstitute angehören, darunter auch das Wifo. Die Forschergruppe erstellt halbjährlich im Auftrag der Europäischen Kommission einen Bericht zur wirtschaftlichen Lage im Euroraum.

Geschätsklima verschlechtert
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich erneut verschlechtert. Wie das Münchener ifo-Institut mitteilte, sank der ifo-Geschäftsklimaindex im November auf 85,8 Punkte. Im Oktober hatte er noch bei 90,2 Punkten gelegen. Der Index setzte damit seine Abwärtsentwicklung fort. Der neue Wert für November ist der schlechteste Wert seit Februar 1993.

Der Index für die derzeitige Lage fiel von 99,9 Punkten auf 94,8 Punkte. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sanken von 81,4 Punkten auf 77,6 Punkte. Die 7.000 befragten Unternehmen beurteilten sowohl ihre momentane Geschäftslage als auch ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr skeptischer.

Finanzkrise in Realwirtschaft angekommen
Die Finanzkrise ist nach Einschätzung des Ifo-Instituts endgültig in der deutschen Realwirtschaft angekommen. "Die Unternehmen wollen ihre Produktion drosseln und ihren Stamm an Arbeitskräften reduzieren", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger am Montag zu Reuters. "Die Realwirtschaft steckt jetzt in der Rezession."

Das Geschäftsklima habe sich im November in beinahe allen Branchen eingetrübt. "Die Situation in der deutschen Wirtschaft wird immer prekärer", sagte Abberger. Schnelle Besserung sei nicht in Sicht. Die Exporteure litten unter der schwachen Auslandsnachfrage, während der Konsum wohl ebenfalls schwächeln dürfte. "Der Winter wird sehr frostig", sagte Abberger.
(apa/red)

24.11.2008 13:45