Wegweisender Winter für den Weltcup:
Armin Assingers große Saison-Vorschau
- NEWS: Kann Hermann Maier noch einmal gewinnen?
- Wie verkraften die Damen den Ausfall von Schild?
·Jetzt zieht Lanzinger
die FIS vor den Kadi
Verunfallter Skifahrer will Schadenersatz einklagen
·"Oldies but Goldies"
bei den Speedrennen
Routiniers dominieren die
Renn-Szene nach wie vor

"Jetzt kommt die EURO, dann der Sommer und bis zum nächsten Winter ist wieder alles vergessen!" So lautete der einhellige, weil wissende Kommentar jener in den Skirennsport involvierten Diskutanten, die am 9. März 2008 an der Runde im "Sport am Sonntag" teilnahmen. Thema war der folgenschwere Unfall von Matthias Lanzinger samt den hinlänglich bekannten Begleitumständen.
Modernes Sklaventum? Mittlerweile steht die Klage von Matthias' Anwalt. Und die Norweger und natürlich die FIS sind sich keiner Schuld bewusst. Wie immer! Interessant der Kommentar eines Schweizer Journalisten auf www.ski online.ch ("Stopft den Nestbeschmutzern das Maul"), der sinngemäß meint, dass doch nicht gejammert werden sollte und schon gar nicht geklagt, wo doch die Rennläufer eine Athletenerklärung unterschrieben hätten und somit eh alles von ihnen akzeptiert zu werden hat einschließlich Verletzungen.
Aber hallo! Wo lebt denn der Herr Journalist? Offensichtlich noch im alten Rom, wo Sklaventum und Leibeigenschaft gang und gäbe waren! Mit Sicherheit sind die, die für die "Action" im Zirkus sorgen, keine Leibeigenen irgendwelcher Funktionäre, über die man in fast menschenverachtender Weise drüberfährt! Mit der Unterschrift des Athleten verpflichtet sich auch die FIS, dafür Sorge zu tragen, dass im Ernstfall bestmögliche ärztliche Versorgung garantiert und diese auch von der FIS kontrolliert wird. Die Athletenerklärung ist ein Vertrag, den zwei Partner abschließen. Auf dieser Wechselwirkung, lieber Schweizer Freund, basiert letztlich diese Erklärung!
Krisenmanager dringend gesucht
Es bleibt also nur zu hoffen, dass alle Beteiligten erkennen, dass es nur gemeinsam gehen kann, dem Wintersport im Allgemeinen und dem Skirennsport im Speziellen aus der Krise zu helfen, in der er sich befindet. Aber wo ist der große FIS-Präsident, wo ist er, der Krisenmanager Gianfranco Kasper? Der lässt seine Getreuen Hujara und Skardaal alleine an der "Front" arbeiten.
Einerseits Gott sei Dank, weil die beiden ihr Handwerk wirklich verstehen und so umsichtig wie möglich agieren, andererseits würde dem Herrn Präsidenten kein Zacken aus der Krone fallen, sich öffentlich für seinen Sport starkzumachen, sich einmal vorne hinzustellen und das Heft auch in die Hand zu nehmen.
Immer wieder hören wir jetzt den Spruch von der "Krise, die auch gleichzeitig Chance ist". Wäre es daher nicht höchst an der Zeit, eine Imagekampagne für den Rennsport zu starten. Wo aber ist das Konzept dazu? Gibt es bei der FIS überhaupt so etwas wie Öffentlichkeitsarbeit?
Mattscheibe bei Skirennen
Trotz gewisser Bemühungen passt es wunderbar ins Bild, dass die Amerika-Rennen wieder einmal nur in unserem ORF live über die Bühne gehen. Bei allen anderen TV-Stationen, ausgenommen Eurosport, bleiben die Skibildschirme dunkel. Es ist nur zu hoffen, dass die Stars der Szene wieder für Schlagzeilen sorgen können, dass Hermann Maier ein Comeback in der Abfahrt gelingt, dass Bode Miller vielleicht wieder über irgendeine Abweisplane carvt, dass Lindsey Vonn auf einem Ski und verkehrt über die Ziellinie fährt und trotzdem gewinnt. Und Benni Raich mit einem Aufschrei und Tausenden Kusshändchen für seine verletzte Freundin Marlies Schild den Sieg im Riesentorlauf von Beaver Creek einfährt.
Wenn durch eine gute Show mehr Zuschauer für den Sport begeistert werden können, liegt das sicher im Interesse aller.
Schussfahrt in die Krise
Nach dem Saisonauftakt mit zwei Riesentorläufen in Sölden und zwei Slaloms in Levi geht es nun endlich in höchstem Tempo und sehr spektakulär weiter, denn die Speed-Bewerbe von Lake Louise bilden den klassischen Auftakt in die eigentliche Rennsaison. Danach macht der Zirkus wieder in Beaver Creek mit der nun schon legendären "Birds of Prey"-Abfahrt Station, die im letzten Jahr dem Norweger Aksel Lund Svindal zum Verhängnis geworden ist.
Werfen wir einen Blick auf unsere schnelle Herrentruppe. Die letzten Siege unserer Abfahrer wurden von nur einem Rennläufer eingefahren, nämlich vom Walchhofer Michl, wobei der letzte aus dem Dezember 2007 in Gröden datiert. Was ist nur aus der großen Abfahrtstruppe geworden, die früher Mehrfachsiege in Serie verbuchte, an der die Konkurrenz zerbröselte? Das ist leider leicht erklärt: viele Verletzungen! Hansi Grugger seit seinem schweren Sturz in Bormio vom Pech verfolgt, Andi Buder hinkt ihm beim Pech leider Gottes nicht einen Schritt hinterher, und Klaus Kröll konnte nie so richtig die Versprechungen, die seine Leistungen früher gaben, einlösen. Einige andere sind möglicherweise am eigenen Anspruch oder dem der Teamführung, Gesamtweltcupsieger werden zu wollen, hängen geblieben. Mit dem Ergebnis, dass die Leistungen von einigen Spezialisten nach unten nivelliert worden sind.
Nur Benni ist ein Allrounder
Das vorhin erwähnte Nivellieren fiel nicht nur mir in den letzten Jahren auch bei Rainer Schönfelder auf. Plötzlich bildete der sich ein, den Gesamtweltcup in Angriff zu nehmen und deshalb in Abfahrt und Super-G investieren zu müssen. Ergebnis: unbefriedigend! Im Slalom zurückgefallen und in der Abfahrt zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Mit meiner Meinung, dass es unbedingt einen gewissen Stamm an Spezialisten braucht, um Weltklasseniveau zu halten, stehe ich nicht alleine da.
Der Einzige, dem ich in unserem Team einen Angriff auf den Gesamtweltcup zutraue, ist und bleibt Benni Raich. Er kommt sicher noch in die gewünschte Form und hat dann drei Disziplinen Slalom, Riesentorlauf und die Kombi , in denen er als Siegfahrer um die große Kugel mitreden wird können.
Ernste Nachwuchssorgen
Womit wir bei den Damen angelangt wären. Es ist schon verwunderlich, dass eine große Skination wie Österreich das Kontingent an Startplätzen im Slalom von Levi nicht voll ausnutzte. Nur sechs von möglichen neun Läuferinnen waren am Start. Freilich ist Marlies Schild verletzt, aber ist da nicht trotzdem etwas mit der Nachwuchsarbeit falsch gelaufen? Im Schatten von Marlies sollte es doch möglich sein, junge Läuferinnen heranzuführen. Aber wo sind die? Wo ist der Unterbau? Sind es Verletzungen? Ist es fehlende skifahrerische Qualität?
Es gibt sicherlich viele Gründe, die diese Entwicklung erklären. Wichtig ist nun, möglichst rasch Gegenmaßnahmen einzuleiten. So wie ich Damen-Trainer Herbert Mandl kenne, wird schon fieberhaft an der Behebung des Schadens gearbeitet. Aber Wunder gibts halt leider nur in der Bibel.
Die komplette Geschichte und mehr Infos finden Sie im NEWS Nr. 8/08!
