Sollen Doping-Sünder ins Gefängnis gehen?
Für Staatssekretär Lopatka kein Tabuthema
- "Die strafrechtliche Schiene muss ausgebaut werden"
- Bei Sport und Bewegung in der Schule gescheitert
In seinen letzten Tagen als Sport-Staatssekretär hat Reinhold Lopatka einen Schwenk in Richtung härterer Gangart in der Anti-Doping-Politik vollzogen. Nicht zuletzt wegen der Causa Bernhard Kohl trat Lopatka in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" nun auch für strafrechtliche Verfolgung von Dopingsündern ein. Bisher hatte sich der Steirer, der in der neuen Regierung Finanz-Staatssekretär sein wird, stets dagegen ausgesprochen.
"Es wäre interessant, einen Fall einmal auf Betrug auszujudizieren. Immerhin hat Kohl seinen Sponsoren etwas vorgetäuscht - und sich damit letztlich bereichert. Die strafrechtliche Schiene muss ausgebaut werden. Da bin ich mittlerweile mit dem Rad-Präsidenten (Anm.: Otto Flum) einer Meinung, Dopingsünder gehören auch strafrechtlich verfolgt, wie in der Drogenbekämpfung", erklärte Lopatka. Der gefallene Radstar Kohl hatte bei seiner Anhörung vor der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) keine Hintermänner genannt und war zu zwei Jahren Sperre verurteilt worden.
Zum Thema Sport und Bewegung in der Schule schlägt Lopatka auch selbstkritische Töne an. "Dass Bewegung im Sportprogramm steht, das ist eine Ersatzhandlung. Wenn Sie so wollen, dann bin ich im Rahmen der Schulpolitik gescheitert - so wie übrigens alle meine Vorgänger", sagte der scheidende Sport-Staatssekretär, der sich nicht erfreut gab, dass die Sport-Agenda nun vom Bundeskanzleramt in das Verteidigungsministerium von Norbert Darabos wechselt.
"Es ist sicher kein Fortschritt", erklärte Lopatka. "Das Problem bei den letzten Sport-Staatssekretären war offenbar: Bis sich einer wirklich eingearbeitet hat und verstanden hat, wie der Sport funktioniert, war er auch schon wieder weg. Die wurden manchmal so schnell gewechselt wie Fußballtrainer von Frank Stronach. Meine Zeit beim Bundeskanzleramt war auch viel zu kurz."
(apa/red)

