Donnerstag, 27. November 2008

Podoprigora will es noch einmal wissen:
Brust-Spezialist hat sein Training umgestellt

  • 30-Jähriger kann sich Olympiastart 2010 vorstellen
  • "Habe schon überlegt, es mit Hypnose zu probieren"

Nach weit mehr als einem Jahrzehnt unter dem Training von Andrzej Szarzynski beschreitet Maxim Podoprigora seit Saisonbeginn im recht hohen Schwimm-Alter von 30 Jahren neue Wege. Der Coach hatte den Brust-Spezialisten schon vor den Spielen informiert, dass er künftig wieder in seiner Heimat Polen arbeiten wird, er leitet in Debica ein Trainingszentrum. Podoprigora nahm dies als Anlass, sein Training stark umzustellen.

Der Wiener ist nun in erster Linie sein eigener Trainer, zieht aus seiner langjährigen Erfahrung Nutzen. Sein selbst erstelltes Trainingsprogramm hat er sich von Szarzynski absegnen lassen, rund alle fünf Wochen sieht der langjährige ASV-Wien-Trainer persönlich nach dem Rechten. "Zuletzt hat er mich nur kurz gesehen und gesagt, dass meine Technik sehr gut ist, besser als vor Olympia", erzählte Podoprigora der APA - Austria Presse Agentur.

Der OSV-Team-"Oldie" hat sein Programm insofern geändert, als er nun im Gegensatz zu früher nur rund 50 Prozent seiner Trainingszeit im Wasser verbringt. "Ansonsten mache ich viel Krafttraining." Und das sieht man auch, der Wiener sieht topfit aus. Trainingstipps holt er sich von dem von der Spitzenathleten- in die Kinder-Betreuung gewechselten Boris Zenow sowie nach wie vor von Zeljko Jukic.

Training in der Südstadt
Allerdings trainiert "Podo" nicht mehr beim Vater von Mirna und Dinko Jukic im Wiener Stadthallenbad, sondern in der Südstadt. Wie die dort ebenfalls trainierenden Birgit Koschischek und Sebastian Stoss ist er der Eisenstädter Schwimm-Union beigetreten, der ehemalige ASV-Wien- und SC-Austria-Wien-Athlet ist aber nicht mit deren Coach Robert Michlmayr in trainerlichem Kontakt.

Sein Krafttraining gestaltet der Kurzbahn-Europameister 2001 nun qualitativ auf seine immer schon favorisierten 200 m Brust hingerichtet, nicht mit der für die kürzeren Strecken wichtigen Maximalkraft. "Ich habe zu Saisonbeginn schon überlegt, mehr auf die 50 m Brust zu gehen", erläuterte Podoprigora. "Aber ich habe durch mein zehn Jahre langes Ausdauer-Training eine gute Basis, die noch drei Jahre reichen sollte. Daher kann ich mich jetzt mehr auf die Technik konzentrieren."

Hypnose soll helfen
Der Kurzbahn-WM-Finalist vom April in Manchester weiß, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, ehe seine neuen Trainingsmethoden greifen. Die Zeit läuft ihm trotz seines Alters aber nicht davon, vielmehr ist er topmotiviert. "Nach Olympia in Peking habe ich mir nicht vorstellen können, in London 2012 noch dabei zu sein. Jetzt ist es aber schon wieder wahrscheinlicher." Wichtig wird sein, die mentale Komponente zu verbessern. "Ich habe schon überlegt, es mit Hypnose zu probieren."

Momentan wird für ihn auch die Kurzbahn-EM-Qualifikation kein Spaziergang. Über 200 m Brust hat Podoprigora am Samstag beim Ströck-Qualifying im Wiener Stadthallenbad zumindest 2:10,85 Minuten zu erbringen, davon war er zuletzt in Zagreb 2,05 Sekunden entfernt. "Aber ich bin davor fast die ganze Woche wegen einer Grippe im Bett gelegen." Während sich der gebürtige Ukrainer über 100 m Brust nicht allzu gut fühlt, hält er auch eine EM-Qualifikation im Brustsprint für möglich.
(apa/red)

27.11.2008 11:04