Mittwoch, 26. November 2008

Heuer ist alles neu bei den Kombinierern:
Neues Konzept macht Weltcup spannender

  • Viele Fragezeichen für Aktive vor Beginn der Saison
  • Großer Favoritenkreis nach Manninens Rücktritt

Mit gravierenden Änderungen startet der Weltcup der Nordischen Kombination am Samstag in Kuusamo (Finnland) in das zweite Vierteljahrhundert seines Bestehens. Walter Hofer, FIS-Renndirektor im Skispringen, installierte als neuer Kombinations-Koordinator ein neues Format, um die Popularität zu steigern. "Ein interessantes Konzept, das viel Spannung verspricht, aber auf dem Papier die Langläufer doch etwas bevorzugt", sagt ÖSV-Cheftrainer Alexander Diess zum neuen Einheitsbewerb mit einem Sprung und einem 10-km-Langlauf. Saisonhöhepunkt für Christoph Bieler und Co. ist die WM im Februar.

Für Trainer und Athleten gibt es vor dem Saisonbeginn viele Fragezeichen, wie sich die Neuerung auswirken wird. Diess spricht von einem "Kahlschlag", der wegen vorangegangener Marketingfehler aber nötig gewesen sei. Die Österreicher hätten sich als starke Springer jedoch eine höhere Punktebewertung dieses Teilbewerbs erhofft. "Man muss die Wettkämpfe abwarten, wir stehen aber der neuen Regelung positiv gegenüber", sagte Diess.

Jahr eins nach Manninen
Die Deutschen mit Weltcupsieger Ronny Ackermann und Björn Kircheisen, die Norweger mit Magnus Moan, der Franzose Jason Lamy Chappuis, die Finnen und US-Amerikaner sieht der ÖSV-Coach auch im Jahr eins nach dem Rücktritt des vierfachen Weltcupsiegers Hannu Manninen (FIN) als große Rivalen. "Prognosen sind schwierig, aber wir wollen von Anfang an vorne mitmischen", erklärte der Oberösterreicher Diess. Vor allem Bieler und David Kreiner seien bereits gut in Form. Die WM in Liberec bezeichnet Diess als "sehr großes Ziel". Da sollen nach der enttäuschenden WM in Sapporo erstmals unter seiner Führung Medaillen eingefahren werden.

Die Vorbereitung im Sommer war von enormen Rückschlägen geprägt gewesen. Eine Schulterluxation beim zweifachen Saisonsieger Bernhard Gruber, eine schwere Beinverletzung des im Sommer-GP dominierenden Mario Stecher (Comeback frühestens beim Heim-Weltcup in Ramsau am 20./21.12.) und - alles überschattend - der tödliche Unfall von Alfred Rainer beim Paragleiten haben die ÖSV-Kombinierer hart getroffen. "Wir sind noch näher zusammengewachsen, gehen mit Demut ans Werk und es ist jetzt ein großer Zug im Team", sagt Diess zur schwierigen Situation nach dem Verlust des vielversprechenden Athleten und Freundes.

Höhepunkt wird die WM
Die ÖSV-Kombinierer haben am Mittwoch in Kuusamo die ersten fünf Großschanzen-Sprünge auf Schnee absolviert und fühlen sich gut gerüstet. Bieler will sich aber in den ersten Bewerben keinen Druck des Siegen-Müssens auferlegen. "Mein Höhepunkt ist die WM, denn eine Einzel-Medaille fehlt mir noch, das ist mein großes Ziel", erklärte der 31-jährige Tiroler und Mannschafts-Olympiasieger. Nach den Rücktritten von Felix Gottwald und heuer im April Michael Gruber sowie dem vorläufigen Ausfall Stechers ist Bieler der einzige des Gold-Teams von Pragelato beim Saisonstart.

Auch Kreiner und Bernhard Gruber bezeichnen die WM als Highlight der Saison. Der 27-jährige Tiroler hat wohl noch öfter als bisher Gelegenheit, seinen Kampfgeist auszuspielen. "Es wird sich alles noch enger zusammenschieben, der Kampf Mann gegen Mann bekommt noch mehr Bedeutung", vermutet Kreiner. Gruber glaubt den durch die Verletzung entstandenen Rückstand aufgeholt zu haben. Der 26-jährige Salzburger hatte im vergangenen Winter seine ersten Siege gefeiert, daran will er anschließen. "Das Hauptaugenmerk liegt sicher auf der WM. Aber wenn es vorher schon so gut läuft, dass sich in der Weltcup-Gesamtwertung die Top 3 ausgehen, wäre das ein Traum."
(apa/red)

26.11.2008 12:58