Freitag, 28. November 2008

Flüchtlingswelle im Kongo hält weiter an:
Bereits 13.000 Menschen sind außer Landes

  • Hunderttausende halten sich derzeit in Goma auf
  • Neue Kämpfe - Waffenstillstand wird ignoriert

Die Flüchtlingswelle im Osten der Demokratischen Republik Kongo ebbt nicht ab. Nach UN-Schätzungen flohen allein in den vergangenen zwei Tagen etwa 13.000 Menschen aus der Konfliktregion Nord-Kivu über die Grenze in das benachbarte Uganda. Nach neuen Kämpfen, die Mitte der Woche ungeachtet eines Waffenstillstands zwischen Truppen des Rebellen-Generals Laurent Nkunda und regierungstreuen Mai-Mai-Milizen wieder aufflammten, fühlen sie sich in ihren Dörfern nicht mehr sicher. Hunderttausende Flüchtlinge halten sich weiter in der Umgebung der Provinzhauptstadt Goma auf.

Als UN-Sonderbotschafter wird der frühere nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa erwartet, um seine Vermittlungsgespräche mit Präsident Joseph Kabila über eine friedliche Lösung des Konflikts im Osten des Landes fortzusetzen. Danach will er nach Goma zu einem Treffen mit Nkunda fliegen. Bisher gibt es keine direkten Gespräche zwischen der kongolesischen Regierung und Nkunda, der wiederholt mit einer Ausweitung des Kampfes auf das ganze Land gedroht hat.

Vorwürfe und Gegenvorwürfe
Nkundas Rebellion begann vor vier Jahren. Er schützt nach eigener Darstellung das Tutsi-Volk, dem er selbst angehört und das 1994 Opfer des Völkermordes in Ruanda wurde, und wirft der Regierung in Kinshasa vor, Hutu-Rebellen aus Ruanda zu unterstützen. Die kongolesische Regierung weist dies zurück und verdächtigt ihrerseits die ruandesische Regierung des Präsidenten Paul Kagame, Nkunda zu helfen. Bei dem Völkermord an der Tutsi-Minorität und Teilen der Hutu-Mehrheit kamen über 800.000 Menschen ums Leben.

Freie Wahlen - und kein Frieden
Die 2006 mit internationaler Hilfe durchgeführten ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit der ehemaligen belgischen Kolonie Kongo 1960 galten als entscheidend für den Friedensprozess in dem von Ausbeutung und Krieg zerstörten afrikanischen Land, das jedoch seither nicht zur Ruhe gekommen ist. Präsident Kabila hatte die Regierungsgeschäfte 2001 als Nachfolger seines ermordeten Vaters Laurent-Désiré übernommen, der den Langzeit-Diktator Mobutu Sese-Seko vertrieben hatte, unter dessen Herrschaft das Land den Namen Zaire führte. (apa/red)

28.11.2008 10:03