Mittwoch, 26. November 2008

Tödlicher Irrtum der indischen Marine:
Versenkten Fischkutter statt Piratenschiff

  • Skurril: "Wir haben in Selbstverteidigung geschossen"
  • Traurige Bilanz: Ein toter und 14 vermisste Fischer

Der indischen Marine ist bei der vermeintlichen Versenkung eines Schiffs somalischer Piraten ein tödlicher Irrtum unterlaufen. Statt eines Piratenschiffs habe das Kriegsschiff einen thailändischen Fischtrawler beschossen, erklärte das Internationale Büro für Seeschifffahrt (IMB). Ein Besatzungsmitglied sei bei dem Zwischenfall in der vergangenen Woche getötet worden, 14 weitere würden noch vermisst. Die indische Marine erklärte, sie sei bedroht worden und habe in Selbstverteidigung gehandelt.

Das IMB wurde laut Direktor Noel Choong von der in Bangkok ansässigen Reederei Sirichai Fisheries von dem Irrtum unterrichtet, der die "Ekawat Nava5" gehörte. Die indische Marine habe den Trawler für ein Piratenschiff gehalten, weil sie möglicherweise auf dem wenige Stunden zuvor gekaperten Boot bewaffnete Männer gesehen habe, sagte Choong. Die Marine hatte berichtet, sie habe am 18. November ein "Piraten-Mutterschiff" bekämpft und in Brand geschossen. Laut IMB wurde eines der Besatzungsmitglieder, ein kambodschanischer Seemann, vier Tage später von Fischern gerettet.

Marinesprecher Nirad Sinha sagte in Neu-Delhi, Piraten hätten dem Kriegsschiff "INS Tabar" mit einem Angriff gedroht. "Wir haben in Selbstverteidigung geschossen", sagte Sinha. Auf dem Schiff hätten sich schwer bewaffnete Männer befunden.

Nach Angaben der Reederei Sirichai Fisheries war der Trawler mit einem Sender ausgestattet. Die Übertragung habe nahegelegt, dass das Schiff Richtung somalischer Küste unterwegs sei, sagte ein Sprecher. Die Reederei habe daraufhin Marineschiffe in der Region um Hilfe gebeten. Die britische Marine berichtete später, Piraten hätten den Trawler in ihre Gewalt gebracht, und ein möglicher Angriff könnte auch die Besatzung in Gefahr bringen. Das IMB alarmierte Choong zufolge unterdessen weitere Schiffe. Ob auch die indische Marine die Information erhalten hatte, sei noch klar. (apa/red)

26.11.2008 11:18