Montag, 24. November 2008

Piraten fürchten sich vor Islamisten:
Nach Drohungen mit Öltanker geflohen

  • Ziel der Seeräuber unbekannt. Seeblockade gefordert
  • Unterschiedliche Angaben über Lösegeldforderungen

Nach Drohungen islamistischer Milizen in Somalia haben die Piraten mit dem gekaperten Supertanker "Sirius Star" den Ankerplatz vor der Hafenstadt Haradhere verlassen. Ein Mitglied der Ältesten des Ortes in Nordsomalia sagte, die Piraten hätten sich "in Richtung hoher See" entfernt. Die Islamisten hatten in den vergangenen Tagen mehrfach gedroht, sie nähmen den Kampf gegen die Seeräuber auf.

Nach Angaben arabischer Medien fordern die Piraten für die Herausgabe des Supertankers mittlerweile 15 Millionen US-Dollar (zwölf Millionen Euro). Zuvor hatten sie 25 Millionen Dollar (19,6 Mio. Euro) verlangt. Nach Verhandlungen mit dem somalischen Vize-Ministerpräsidenten Ahmed Abdulsalam, der zum gleichen Stamm wie die Seeräuber gehöre, hätten sie ihre Geldforderung für das Schiff und die Freilassung der Besatzung gesenkt.

Die Piraten hatten den Tanker "Sirius Star", der einer Tochtergesellschaft des saudischen Konzerns Aramco gehört, Mitte November vor der kenianischen Küste in ihre Gewalt gebracht. Das Schiff ist mit zwei Millionen Barrel Öl beladen und die bisher größte Beute der Piraten.

Seeblockade gefordert
Eine Gruppe von Reedern sprach sich für eine Seeblockade gegen die Piraten am Horn von Afrika aus. Die NATO könne Marinepatrouillen in dem Gebiet organisieren, sagte Peter Swift, Leiter des Verbands unabhängiger Tankerbesitzer (Intertanko) dem britischen Rundfunksender BBC. Derzeit überlegten immer mehr Schiffsbesitzer, den Umweg über Südafrika zu nehmen, um Piratenangriffen zu entgehen. Dadurch verteuerten sich die Fahrten jedoch um 30 Prozent.

Im Zusammenhang mit dem in der vergangenen Woche von somalischen Piraten gekaperten Frachter eines iranischen Unternehmens wurden Drohungen aus Teheran laut. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums schloss Gewalt gegen die Piraten nicht aus, betonte aber gleichzeitig, die Regierung ziehe eine Verhandlungslösung vor.

Die NATO prüft unterdessen ein auf lange Sicht angelegtes Vorgehen gegen Piraten. "Ich bin beauftragt, die längerfristigen Möglichkeiten der Beteiligung der NATO an der Bekämpfung der Piraterie zu prüfen", sagte der NATO-Oberkommandeur, US-General Bantz J. Craddock, vor Journalisten in Mons (Belgien). "Die Frage ist, wo Piraterie noch auftauchen könnte und was wir als NATO tun könnten, wenn wir darum gebeten würden." Die Vorbereitungen zur Übergabe des Anti-Piraten-Einsatzes von vier NATO-Kriegsschiffen vor der Küste Somalias an die Europäische Union seien in vollem Gange.

(apa/red)

24.11.2008 16:45