Hoffnungen & Sorgen des neuen Kanzlers: Werner Faymann im Interview mit NEWS
- Faymann will keine zu hohe Erwartungen wecken
- SPÖ-Chef spricht über seinen "Glamour"-Faktor

Die neue Koalition steht und die neuen Regierungsmitglieder warten auf den Tag der Angelobung. Grund genug für NEWS sich mit den Kanzler in spe Werner Faymann zum Interview zu treffen.
NEWS: Sie haben die rot-schwarze Regierung schneller zusammenbekommen, als so mancher geglaubt hat. Aber wie wird denn nun das neu Regieren wirklich ausschauen?
Faymann: Das Wesentlichste wird sein, nicht als zweigeteilte Regierung aufzutreten, sondern als ein Team. Ich werde nicht Bundeskanzler für nur einen Teil der Minister sein, sondern für alle. Es geht darum, dass man jedem Einzelnen mit demselben Vertrauen begegnet. Und nicht darum, den anderen zu misstrauen.
NEWS: Sie und Josef Pröll sind zwar neu, und Sie verstehen sich sicher auch besser, aber was hat sich in den Parteien SPÖ und ÖVP bitte verändert?
Faymann: Ein Vorteil besteht schon im jetzigen Ministerteam. In der letzten Regierung hatten sich nach Schwarz-Blau Minister und Ministerinnen wiedergefunden, die sich in der Regierungs- und Oppositionszeit viele Wunden zugefügt hatten. Da hatte es schon alte Feindschaften gegeben, und da hatte man sich wechselseitig einiges nachgetragen. Das ist jetzt anders. Schon zwischen Josef Pröll und mir war das Verhältnis viel entspannter.
NEWS: Und das allein macht Sie zuversichtlich, dass die rot-schwarze Zusammenarbeit nun leichter wird?
Faymann: Es spielt auch die Weltwirtschaftslage eine große Rolle. In Zeiten der Krise hält eine Regierung zusammen. Wenn wir jetzt zeigen, dass wir es besser machen, wird auch das Vertrauen in die Politik wieder steigen.
NEWS: Üblicherweise erhält eine neue Regierung eine 100-tägige Schonfrist. Das wird bei Ihnen nicht der Fall sein.
Faymann: Nein, das ist bei uns schon vor der Angelobung nicht der Fall. Die Opposition wollte schon diese Woche von mir eine Regierungserklärung hören. Das ist schon absurd. Ich kann ja nicht als Infrastrukturminister eine Regierungserklärung abgeben.
NEWS: Aber nicht nur die Opposition kritisiert Ihre Regierung. Auch ein Großteil der Kommentatoren zeigt sich enttäuscht von mangelnden Visionen und Mut.
Faymann: Schauen Sie, ich habe ein sehr bewährtes Prinzip: Ich wecke keine Erwartungen, die ich nicht erfüllen kann. Ich könnte jetzt natürlich die größte und beste Gesundheitsreform der Welt versprechen. Aber es ist in der Politik wie im Privatleben: Wenn man zu hohe Erwartungshaltungen weckt, erntet man Enttäuschungen. Das hat schon auch mit Psychologie zu tun.
NEWS: In Österreich wird Ihnen vorgeworfen, Sie hätten
zu wenig Glamour. Trifft Sie das?
Faymann: Nein, in Zeiten der Wirtschaftskrise ist Pragmatismus wohl wichtiger als Glamour. Wer von mir erwartet, dass ich mich die nächsten Monate hauptsächlich auf den Opernball vorbereiten werde, wird enttäuscht werden. Ich werde auch künftig kein Seitenblicke-Politiker sein. Mir ist es wichtiger, Antworten auf die Sorgen der Menschen zu finden. Und die sind viel größer, als sie in der veröffentlichten Meinung vorkommen. Daher werde ich auch einmal pro Woche in einem Bundesland sein, um den direkten Kontakt mit den Menschen zu halten. Die Menschen in unserem Land sorgen sich um Arbeitsplätze, um Ausbildungsmöglichkeiten und Pflege. Sie haben ganz andere Sorgen als Glamour. Und ich verstehe auch Außenpolitik nicht als Weltreisender. Da geht es um Engagement für österreichische Interessen, etwa in der EU.
Lesen Sie das gesamte Interview im NEWS 48/08!
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