Freitag, 21. November 2008

In der Beliebtheitsskala ganz weit unten:
Das krisengeschüttelte Berufsbild Manager

  • Gierig und herzlos oder vielleicht doch unschuldig?
  • FORMAT über neue Sündenböcke in der Gesellschaft

Zeitunglesen muss kein Vergnügen sein. Vor allem nicht, wenn man Peter Michaelis heißt. Im „Kurier“ wiederholte der nächste Kanzler, Werner Faymann, erst neulich über den ÖIAG-Chef: „Ich würde diesem Herrn keine Träne nachweinen. Eine Abfertigung kann die beste Investition sein.“ Brutaler und direkter geht es kaum noch.

Kaum ein Politiker nimmt sich noch ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Manager als Sündenböcke hinzustellen. Vom Wiener Bürgermeister bis zum FPÖ-Luftfahrtsprecher, von der Gewerkschaft bis zum BZÖ – viele wollen, dass Michaelis seinen Hut nimmt. Und nicht nur er: Auch AUA-Chef Alfred Ötsch wird Versagen vorgeworfen, ebenso Postchef Anton Wais. „Manager bekommen so viel Geld, weil sie Besonderes für uns zu leisten haben. Diese Leistung geht uns ab“, sagte Faymann über die Post-Spitze.

Nicht nur staatsnahe Betriebe im Visier
Auch der einst gefeierte Erste-Bank-General Andreas Treichl steht plötzlich als an der Finanzkrise Schuldiger da und muss sich herbe Kritik an seiner Zwei-Millionen-Euro-Gage (einmal waren es sogar vier Millionen) gefallen lassen. Teilweise nehmen die Vorwürfe absurde Formen an: Das BZÖ verteufelte die gesamte Osteuropa-Expansion österreichischer Banken. Stattdessen hätten sie lieber heimischen Klein- und Mittelbetrieben Kredite geben sollen.

Das Hauptargument der Kritiker: Die Manager sind zu gierig, sie denken an ihren eigenen Vorteil und nicht an das Gemeinwohl. Peter Michaelis und Telekom-Boss Boris Nemsic wird etwa in einem offenen Brief der Telekom-Belegschaft vorgehalten, sie würden „ausgerechnet in der schwierigen Konjunkturlage“ den Wirtschaftsstandort Österreich und die Infrastruktur des Landes gefährden: „Profitieren werden davon nur einige wenige Heuschrecken und die Manager selbst, die den Hals offenbar nicht voll bekommen.“

Gewinn wichtiger als das Personal?
Auch Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel fordert, den „Personalabbau bei Post und Telekom zu stoppen“. Dass bei den Beschäftigten gespart werde, während die Gewinne immer noch steigen, sei verkehrt. Postchef Wais und Nemsic wurden diese Woche in Wien bei Demonstrationen als „Arbeitsplatzvernichter“ beschimpft. Nach einem Gipfelgespräch mit Werner Faymann lenkte Wais nach außen hin ein. Der Abbau von 9.000 Mitarbeitern und die Schließung von tausend Filialen sind aber nur unter dem Tisch verschwunden. Sein kurzfristiges Ziel hat Wais erreicht: Die Politik beschäftigt sich mit einer neuen Postmarktordnung für die Zeit nach der Liberalisierung 2011 und wird der Post in einigen Punkten entgegenkommen.

Das Leiden der Topleute
Ganz prallt die Stimmung im Land an keinem der Bosse ab. „Ich würde lügen, wenn ich sagte, es berührt mich nicht. Aber man gewöhnt sich an manche Dinge, leider“, meint etwa AUA-Boss Ötsch, der auch wegen seiner Siemens-Vergangenheit unter Beschuss ist. Es sei nicht seine Person, die kritisiert wird, sondern die Funktion, glaubt er: „Es gibt keinen einzigen konkreten Vorwurf.“

Peter Michaelis gibt sich nach außen hin immer noch cool. „Kritisiert werden wir von Leuten, die die ÖIAG-Beteiligungsunternehmen häufig noch wie reines Staatseigentum behandeln. Das mag der Profilierung dienen, den Unternehmen dient es in der Regel nicht.“ Er will nach den Ergebnissen beurteilt werden und stellt nüchtern fest: „Wenn jemand Wert darauf legt, gelobt zu werden, ist ÖIAG-Vorstand nicht der richtige Job.“

Wer ist wirklich schuld? Der Unternehmer Mirko Kovats weist die Verantwortung für die Finanzkrise und das damit verbundene Hinhauen auf die Eliten von sich. Er hegt keine Selbstzweifel: „Es geht um Gewinnoptimierung, wir sind nicht die Caritas“, sagt er (siehe Interview Seite 34). Seiner Ansicht nach sind fast alle an der Finanzmarktkrise schuld: „Jeder, der in einen Fonds einzahlt, hat sich schuldig gemacht.“

Die ganze Story lesen Sie im FORMAT 47/08!

21.11.2008 13:51