Donnerstag, 20. November 2008

"Wir sind nicht die Caritas": A-Tec-Chef und Investor Mirko Kovats im FORMAT-Interview

  • Gier: "Man kümmert sich zuallererst um sich selbst"
  • "A-Tec einer von elf Interessenten an Kupfermine"

Mirko Kovats, Chef der börsennotierten A-Tec, spricht im Interview mit FORMAT über die Finanzkrise, Gier als gesunden Antrieb und falsche Sozialromantik im Geschäftsleben.

FORMAT: Herr Doktor, Sie gelten als knallhart. Was sagen Sie zu Ihrem Ruf?
Kovats: Das ist eine subjektive Wertung. Mir ist es wichtig, Vereinbarungen klar auszusprechen und einzuhalten. Wenn man das als knallhart bezeichnet, dann bin ich knallhart. Ich bin ein direkter Mensch, vom Wiener Schmäh halte ich wenig.

FORMAT: Ihr Spruch „In Europa studieren sie Soziologie, in Indien Ingenieurwissenschaften“ im Film „Let’s Make Money“ hat Ihnen viel Kritik eingebracht. Sie halten Letzteres für die bessere Wahl?
Kovats: Ich stehe zu diesem Satz, er gibt die Realität wieder. Die Universitäten müssen nachfragegerecht produzieren. Nichts gegen Soziologen, aber in der Volkswirtschaft gibt es Dinge, die „musts“ sind, und Dinge, die „nice to have“ sind. Über das „must“ kann man nicht diskutieren, über das „nice to have“ schon.

"Von Natur aus egoistisch"
FORMAT: Der neue Hoffnungsträger heißt Barack Obama …
Kovats: Ich glaube, dass er eine Aufbruchstimmung vermittelt, was bei John McCain sicher nicht der Fall ist. Leider haben beide keine Ahnung von Wirtschaft.

FORMAT: Beide sollen aber gute Wirtschaftsberater haben.
Kovats: Das hoffe ich sehr. Ich glaube an die Amerikaner. Sie haben eine gewisse Brutalität, Probleme zu lösen. Nicht immer richtig, aber sie lösen sie zumindest. Die Europäer reden viel mehr, jammern auch mehr. Die Amerikaner halten mehr aus. Sie sind flexibler, anders eingestellt. Wenn man hier einen Rolls-Royce hat, sagt der Nachbar, dass man ihn gestohlen hat. In Amerika gratuliert er dir.

FORMAT: Porsche-Chef Wiedeking meinte auf die Frage, ob Kapitalismus den Charakter verderbe, dass in der Gier die Wurzel allen Übels liege. Was sagen Sie?
Kovats: Dass Kapitalismus den Charakter nicht verdirbt. Der Mensch ist von Natur aus egoistisch. Man kümmert sich zuallererst um sich selbst, um seine Familie und dann erst um alle anderen. Der Kapitalismus ist eine Folge dieser Denkweise. Die jetzigen Rufe nach links und noch linker sind nicht haltbar.

Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT 47/08!

Zur Person: Mirko Kovats, 60, ist Mehrheitseigentümer der auf die Bereiche Antriebstechnik und Maschinenbau spezialisierten A-Tec-Gruppe. Das Unternehmen setzte im Vorjahr 2,36 Mrd. Euro um und beschäftigt derzeit 14.214 Mitarbeiter.

20.11.2008 14:22