Dienstag, 18. November 2008

Kündigungswelle rollt auf Österreich zu:
AMS verbucht 30.000 Frühwarnmeldungen

  • Anmeldungszahl viermal höher als im September
  • Trend zur Kurzarbeit bei Unternehmen auch steigend
    PLUS: AT&S will ein Drittel der Belegschaft abbauen

Auf Österreich rollt eine Kündigungswelle zu: Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) im Rahmen des Frühwarnsystems angemeldeten Kündigungen kletterte per Ende Oktober auf 29.433 Betroffene. Das waren mehr als viermal so viel wie noch Ende September als 6.784 Anmeldungen vorlagen. Dies bedeutet zwar nicht, dass alle angemeldeten Personen auch tatsächlich gekündigt werden, so AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Unternehmen melden vorsichtshalber an, die Tendenz sei allerdings steigend.

Während die Auto- und Autozulieferindustrie mit Kurzarbeit durch die Krise tauchen will, hat vor allem die Bauwirtschaft ihre Beschäftigten beim Frühwarnsystem angemeldet. Spitzenreiter ist der Hochbau mit 15.518 Anmeldungen, gefolgt vom Tiefbau mit 3.623 und dem Bereich Baustelleninstallation und Ausbaugewerbe mit weiteren 3.451. Die Arbeitsüberlasser haben 1.106 Beschäftigte zur Kündigung angemeldet. In der Glas- und Glaswarenindustrie gibt es 1.342 Meldungen.

Die Meldungen über Kündigungen reißen aktuell nicht ab: So sind von den 2.400 heimischen Mitarbeitern der Siemens Softwaresparte PSE 475 von Kündigung bedroht. Im GM-Werk in Wien Aspern zittern wegen der Opel-Krise die Mitarbeiter um ihren Job. 150 Leiharbeiter werden dort per Ende November abgebaut. Erst heute teilte der Leiterplattenhersteller AT&S mit, dass im Werk Leoben-Hinterberg ein Drittel der Belegschaft gehen muss.

Mit Kurzarbeit durch die Krise
Dazu kommen steigende Kurzarbeitszahlen: In der Steiermark sind derzeit 4.800 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Betroffen sind 29 Betriebe vor allem aus der Auto und Autozulieferbranche. Neben Magna-Steyr in Graz und Heavy Stamping in Gleisdorf mit rund 3.000 Betroffenen haben derzeit 13 Firmen des steirischen Autoclusters (AC Styria) für 700 Beschäftigte um Kurzarbeitsförderung angesucht. Dazu kommen noch rund 1.100 Personen aus dem nicht automotiven Bereich. Zu Stillständen ist es auch im oberösterreichischen BMW-Werk in Steyr gekommen. Dabei werden im Rahmen flexibler Arbeitszeiten Überstunden abgebaut.

Die vereinbarte Kurzarbeit kann nur im Einvernehmen mit dem jeweiligen Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft eingeführt werden. Bei Fehlen eines Betriebsrates ist das Einvernehmen mit der zuständigen Gewerkschaft herzustellen. Für den durch die Kurzarbeit verursachten Gehaltsausfall erhält der betroffene Arbeitnehmer eine Kurzarbeitsbeihilfe vom Arbeitsmarktservice (AMS), die gleichzeitig mit dem Gehalt vom Arbeitgeber ausbezahlt wird. (apa/red)

18.11.2008 13:02