Donnerstag, 20. November 2008

Zumindest Hölzl hatte sein Erfolgserlebnis:
ÖFB-Teamkicker üben sich in Selbstkritik

  • Für Team-Neuling Gspurning 'ein schreckliches Debüt'
  • György Garics: "Es geht manchen vielleicht zu gut"

Nach dem 2:4 des österreichischen Fußball-Nationalteams im letzten Länderspiel des Jahres gegen die Türkei durfte sich zumindest ein ÖFB-Spieler als kleiner Sieger fühlen. Andreas Hölzl erzielte im Wiener Happel-Stadion in seinem zweiten Länderspiel zwei sehenswerte Treffer, angesichts der neuerlichen Niederlage trat das persönliche Erfolgserlebnis für den Mittelfeldspieler von Sturm Graz aber in den Hintergrund.

"Natürlich ist es nicht positiv, wenn man zwei Tore schießt, aber vier bekommt. Wenn man das Ergebnis sieht, kann man sicher nicht zufrieden sein", betonte der Tiroler. Hölzl bedauerte, dass die ÖFB-Auswahl aus der guten Anfangsphase nicht mehr Kapital schlug. "Wir haben gut begonnen, sind dann aber vom Weg abgekommen und haben vier dumme Tore kassiert."

Während Hölzl für den österreichischen Lichtblick sorgte, war Michael Gspurning die tragische Figur. Der Goalie bekam in seinem ersten Länderspiel praktisch keinen Ball zu halten, musste dennoch viermal hinter sich greifen und sprach von einem "schrecklichen Debüt. Das Glück, das ich in der Meisterschaft gehabt habe, ist heute als Pech zurückgekommen. Ich kann mir eigentlich nichts vorwerfen und weiß nicht, was ich anders hätte machen sollen", sagte der Steirer, der mit seinen Club Xanthi in zehn Liga-Partien erst zwei Tore kassiert hatte.

"Alles bricht zusammen"
Dennoch sah Gspurning auch positive Aspekte. "Aus solchen Spielen lernt man. Man muss mit so einer Situation richtig umgehen und ruhigbleiben, sonst macht man einen Fehler und verschuldet vielleicht noch das fünfte Tor. Das ist mir Gott sei Dank nicht passiert", sagte der Griechenland-Legionär und analysierte die aktuelle ÖFB-Misere. "Jetzt habe ich es auch aus nächster Nähe gesehen, was sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht: Wir kassieren ein, zwei Tore und alles bricht zusammen."

"Das ist der Charakter, der uns fehlt"
Kritische Worte fand auch Außenverteidiger György Garics. "Es geht manchen vielleicht zu gut, in der Hinsicht, dass man sich zu schnell zufriedengibt. Das ist der Charakter, der uns fehlt, da müssen wir ansetzen."

Kapitän Andreas Ivanschitz hingegen hob die gestiegene Angriffs-Bereitschaft in der ersten Hälfte hervor. "Wir wollten etwas bewegen und haben deshalb automatisch offensiver gespielt. Vielleicht ist das ein Weg, dass wir wieder so spielen wie vor einem halben Jahr, wo wir mit Leidenschaft bei der Sache waren und den Fans etwas geboten haben."

"Eines meiner besseren Spiele"
Mit seiner eigenen Leistung war der Mittelfeldspieler, der bei seinem Verein Panathinaikos zuletzt nicht zum Einsatz kam, zufrieden. "Das war eines meiner besseren Spiele, das gibt mit wieder Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass auch mein Club-Trainer Notiz davon genommen hat, aber ich muss ihn in der täglichen Arbeit überzeugen."

Rückblickend auf die ersten Partien in der WM-Qualifikation liegen Ivanschitz die Misserfolge nach dem optimalen Auftakt gegen Frankreich noch im Magen. "Die Enttäuschung war, nach dem Frankreich-Sieg nicht nachzulegen."

Frankreich-Match täuschte über vieles hinweg
Laut Martin Stranzl stiegen allerdings die Erwartungen der Öffentlichkeit nach dem 3:1 gegen den Vizeweltmeister in unrealistische Sphären, das wahre Leistungsvermögen der Mannschaft wurde nicht erkannt. "Vielleicht hat das Frankreich-Match über vieles hinweggetäuscht. Jetzt haben wir eben die Spiele danach verloren, das tut mir für die Fans leid. Derzeit schaffen wir es einfach nicht, über 90 Minuten eine konzentrierte Leistung zu bringen, daran müssen wir arbeiten", bemängelte der Spartak-Moskau-Verteidiger.

(apa/red)

20.11.2008 11:54