Donnerstag, 20. November 2008

Teamdebüt von Maradona ist geglückt:
Argentinier schlagen Schottland verdient 1:0

  • Frühes Tor von Maxi Rodriguez entscheidet die Partie
  • Maradona erzielte erstes Länderspieltor in Schottland

Diego Armando Maradona, der einst durch seine Fußball-Kunst Fans rund um den Globus entzückte, hat Argentinien das Siegen zurückgebracht. Mit dem freundschaftlichen 1:0 in Glasgow gegen Schottland feierte der 48-Jährige ein erfolgreiches Debüt als Teamchef seiner Heimat. Die "Albiceleste" hatte zuvor in acht Spielen nur ein einziges Erfolgserlebnis gehabt.

Maradona hatte vor 32.500 Zuschauern nur acht Minuten auf das Goldtor durch Maxi Rodriguez warten müssen. "Wir haben am Anfang brillante 25 Minuten gezeigt, das Resultat geht in Ordnung", befand der Nachfolger von Alfio Basile und frühere Superstar, der einst als Aktiver im Alter von 18 Jahren 1979 im Hampden Park beim 3:1 über die Briten sein erstes Tor in einem Länderspiel erzielt hatte.

Verständlich, dass der Mann im Mittelpunkt seine Rückkehr in die größte schottische Stadt genoss. Beim Verlassen des Spielfeldes umarmte er jeden einzelnen Spieler. "Sie haben gezeigt, dass sie richtige Männer sind. Sie haben ihr Trikot mit Stolz getragen und damit auch mich stolz gemacht", sagte der neue "Gaucho"-Teamchef mit breitem Grinsen.

Freilich war nicht alles Gold, was glänzte. "Leider haben wir nach dem tollen Start viele Bälle zu leicht verschenkt, aber der Gegner hat zum Glück daraus kein Kapital geschlagen", meinte Maradona, der das siegreiche Comeback auch seinem Torhüter Juan Pablo Carrizo, der einige Chancen der Hausherren zunichtemachte, zu verdanken hatte.

Große Träume
"Ich musste heute nicht unbedingt gewinnen, aber ich habe von den Spielern gefordert, dass sie ein anderes Gesicht zeigen. Die 0:1-Niederlage zuletzt gegen Chile ist jetzt eine hässliche, aber vergangene Episode", wollte der Teamchef Glauben machen. Der Sieg in Schottland, wo Maradona wegen seines "Hand-Gottes-Tores" gegen England im WM-Viertelfinale 1986 Heldenstatus genießt, gibt Hoffnung.

Carlos Bilardo, der Technische Direktor des argentinischen Verbandes, träumt schon vom dritten WM-Titel. "Wenn wir 90 Minuten so spielen würden wie die ersten 25 hier, dann werden wir Weltmeister. Das kann ich ihnen jetzt unterschreiben, so sicher ist das", prophezeite Bilardo nach dem erfolgreichen Maradona-Einstand.

Maradona wird Opa
In Gedanken war der "Messias" freilich mehr bei seiner Tochter Giannina. "Ich denke an sie und an ihr Baby. Meine Burschen haben es mir in einer schwierigen Zeit leicht gemacht", meinte der werdende Opa, der dann kurz nach Mitternacht in einem mit Hilfe von FIFA-Präsident Joseph Blatter organisierten Privatjet nach Madrid zu seiner jüngsten Tochter düste. Giannina war dort am Vortag wegen Komplikationen ihrer Schwangerschaft in ein Spital gebracht worden.

Sie ist im sechsten Monat schwanger und erwartet ein Kind von Argentiniens Stürmer Sergio Agüero. Letzterer fehlte in Glasgow ebenso wie die Stars Riquelme und Messi. Nicht vermisst wurde das Engagement und die Laufstärke, nur in der Abstimmung mangelte es. Das ersatzgeschwächte Team des schottischen Trainer George Burley wehrte sich gegen den Maradona-Hype tapfer, zog sich mit Anstand aus der Affäre.

Wer ist Butcher?
"Wenn Peinlichkeit zu vermeiden das realistische Ziel war, haben Burley und seine Elf Erfolg gehabt", urteilte die Zeitung "The Scotsman". Keine Versöhnung gab es mit Schottlands Co-Trainer Terry Butcher, der 1986 in Englands Nationalelf gestanden war und vor dem Match erklärt hatte, er könne Maradona sein "mit der Hand Gottes" erzieltes Tor nicht verzeihen.

"Wer ist Butcher? Ich habe Schottlands Trainer begrüßt, aber wer ist dieser Butcher", fragte Maradona, der am Ende doch noch ein gutes Wort für die Schotten parat hatte. "Sie haben gute Spieler. Technisch sind wir besser, und sie haben noch einiges zu tun, aber die WM-Qualifikation ist möglich", sagte Maradona.

(apa/red)

20.11.2008 13:26