Der schlafende Riese ist endlich erwacht:
Fußballverrückte Türkei erobert Europa
- Seit EM 1996 regelmäßiger Gast bei Groß-Turnieren
- Größter Erfolg war Dritter Platz bei der WM 2002
Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass ein so großes und fußballverrücktes Land wie die Türkei lange Zeit im Nirgendwo des Weltfußballs herumgedümpelt ist. Der WM-Dritte 2002 und EURO-Halbfinalist 2008 ist erst seit der EM 1996 in England regelmäßiger Gast bei großen Turnieren. Damals qualifizierte sich die türkische Mannschaft unter Teamchef Fatih Terim erstmals für eine europäische Endrunde und wurde beim ersten großen Auftritt auf der internationalen Bühne seit einem Vorrunden-Aus bei der WM 1954 in der Schweiz auch gleich punkte- und torlos nach Hause geschickt.
Doch damit hatte der Aufstieg des türkischen Fußballs in der Welthierarchie begonnen. Vier Jahre später, bei der EURO 2000 in den Niederlanden und Belgien, erreichte das von Mustapha Denizli betreute Team nach einem Sieg gegen Belgien (2:0) und einem Unentschieden gegen Schweden (0:0) das Viertelfinale, in dem es Portugal 0:2 unterlag.
Zwei Jahre später ging die WM 2002 in Japan und Südkorea nach erfolgreichem Quali-Playoff gegen Österreich (1:0, 5:0) als das bisher erfolgreichste Turnier in die Geschichte ein. In dem vom Stolpern der favorisierten Teams geprägten Bewerb belegte die Türkei in der Vorrunden-Gruppe C hinter Brasilien und vor Costa Rica und China Platz 2. Nach Siegen gegen Japan (1:0) im Achtelfinale und Senegal (1:0 n.V.) im Viertelfinale unterlagen die Türken im Halbfinale dem späteren Weltmeister Brasilien 0:1. Das Spiel um Platz 3 gegen Südkorea gewannen sie 3:2.
Die immer größeren Erfolge beschränkten sich aber nicht nur auf die Nationalmannschaft. Auch die türkischen Clubs erstarkten um die Jahrtausendwende und sind heute regelmäßig Gast in der Champions League. Im Jahr 2000 besiegte Galatasaray Istanbul im Finale des UEFA-Cups Arsenal im Elfmeterschießen 4:1 (0:0 n.V.) und holte wenige Wochen später auch den Supercup gegen Real Madrid (2:1 n.V.).
Erfolg mit Fatih Terim
Nach erfolglosen Qualifikationen für die EURO 2004 in Portugal und die WM 2006 in Deutschland kehrte der Erfolg bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz wieder zurück. Das seit 2005 wieder von Fatih Terim gecoachte Nationalteam drehte gegen die Schweiz (2:1), Tschechien (3:2) und Kroatien (3:1 i.E., 1:1 n.V.) bereits verlorengeglaubte Spiele um und wurde erst im Halbfinale von Deutschland (2:3) gestoppt.
Erfolgstrainer Fatih Terim wollte nach der EURO eigentlich zurücktreten - ging mit seinen "Löwen" aber dann doch in die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Die Türkei liegt derzeit in der WM-Quali-Gruppe 5 auf Rang zwei hinter Europameister Spanien.
(apa/red)

