Türkei holt Spieler aus ganz Europa ab:
Auswanderer als riesiges Talente-Reservoir
- Engmaschiges Scouting-Netz von Büro in Köln aus
- 'Gaben sie mir das Gefühl, ein Teil der Türkei zu sein'

Sie heißen Kazim Kazim, Nuri Sahin oder Halil Altintop - und auch Veli Kavlak, Ümit Korkmaz oder Turgay Bahadir. Die über ganz Europa verstreuten Kinder türkischer Auswanderer bilden ein riesiges Talente-Reservoir, das stets unter Beobachtung des türkischen Fußball-Verbands TFF steht.
Das engmaschige Scouting-Netz wird von einem Büro in Köln aus koordiniert. Herausragende Talente werden dort von türkischen Jugendtrainern, Beobachtern oder auch stolzen Eltern gemeldet. Es standen und stehen auch junge Austro-Türken auf der Liste des Verbandes, der mit seiner Auswahl gegen Österreich antritt.
Der für Kayserispor spielende gebürtige Wiener Turgay Bahadir wurde im Oktober in den türkischen Kader für die WM-Qualifikationsspiele gegen Bosnien-Herzegowina und Estland einberufen, war aber als ehemaliger U21-Teamspieler Österreichs nicht spielberechtigt. Auch der im Moment verletzte Frankfurt-Legionär Ümit Korkmaz, der ebenfalls türkisches Interesse weckte, kann nur noch für den ÖFB spielen.
Der 20-jährige Rapidler Veli Kavlak ist jedoch nach wie vor ein Thema für die TFF. "Obwohl er schon für Österreich gespielt hat, hat er noch eine Chance, sich zu entscheiden. Seine Leistungen werden von türkischen Trainern beobachtet und er könnte einberufen werden, wenn es angemessen erscheint", lautet das offizielle Statement des TFF-Sprechers Yigiter Ulug. Bis zur Vollendung seines 21. Lebensjahres kann Kavlak den Verband wechseln. "Mich wundert es, dass ich beobachtet werde. Davon habe ich nichts gehört, und Kontakt mit dem türkischen Verband habe ich schon lange nicht gehabt", sagte der Mittelfeldspieler des Rekordmeisters.
"Ein Teil der Türkei"
Wird ein Spieler als für die Nationalmannschaft geeignet befunden, bemüht sich der Verband intensiv um ihn. "Als ich mit den TFF-Vertretern gesprochen habe, gaben sie mir das Gefühl, ein Teil der Türkei zu sein", gab Kazim Kazim, als Colin Kazim-Richards in London geborener Sohn einer türkischen Zypriotin und eines aus Antigua stammenden Vaters, als Grund für seine Wahl an. "Das hat meine Entscheidung, für die Türkei zu spielen, beeinflusst."
Bereits im U16- und U17-Bereich wird intensiv gescoutet. Die TFF lädt Talente regelmäßig zu Sommer-Trainingslagern in die Türkei ein. Die Strategie zahlt sich für das Nationalteam aus. Im Kader für das Länderspiel gegen Österreich stehen sechs im Ausland geborene Türken: Neben Kazim Kazim und dem eingebürgerten Brasilianer Mehmet Aurelio sind das die aus Deutschland stammenden Hakan Balta, Halil Altintop, Ceyhun Gülselam und Nuri Sahin. Es hätten auch mehr sein können: Halils Bruder Hamit fehlt verletzt, der aus Frankreich stammende Sochaux-Stürmer Mevlüt Erdinc wurde von Teamchef Fatih Terim diesmal nicht einberufen.
(apa/red)
