Samstag, 22. November 2008

Scharfe Warnungen somalischer Piraten:
Bei Eingreifen drohen Freibeuter mit Gewalt

  • Islamische Rebellen wollen gegen Piraten vorgehen
  • Piraten griffen heuer bereits mehr als 90 Schiffe an

Die Entführer des Supertankers "Sirius Star" haben für den Fall eines militärischen Vorgehens mit erbittertem Widerstand gedroht. "Ich hoffe, der Eigner des Tankers ist klug und lässt keine militärischen Schritte zu, denn das wäre eine Katastrophe für alle", sagte einer der Piraten. Er selbst sei im Küstenort Harardhere damit beschäftigt, die Milizen zum Schutz der Region zu organisieren.

Der saudi-arabische Supertanker liegt mit 25 Mann Besatzung an Bord vor Haradhere vor Anker. Bewohner des Gebiets berichteten, die Schiffsentführer seien von mindestens zehn schwer bewaffneten Männern verstärkt worden.

Der Pirat betonte, die Entführer der "Sirius Star" wollten das Schiff nicht zerstören und der Besatzung nicht schaden, sondern Lösegeld bekommen. Die Piraten fordern ein Lösegeld von 25 Millionen Dollar (rund 20 Millionen Euro), sie hatten den Schiffseigern eine Frist von zehn Tagen gesetzt. Die "Sirius Star" hat Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord. Harardhere liegt etwa 300 Kilometer nördlich der somalischen Hauptstadt Mogadischu in der halbautonomen Region Puntland.

Lukratives Geschäft
Die Piraterie im Golf von Aden entpuppt sich als lukratives Geschäft: Somalische Freibeuter haben nach kenianischen Regierungsangaben in den vergangenen zwölf Monaten Lösegeldzahlungen von mehr als 150 Millionen US-Dollar erhalten. Der kenianische Außenminister Wetangula rief die Eigentümer gekaperter Schiffe dazu auf, künftig kein Geld mehr zu zahlen, da dies die Piraten nur ermutige.

Rebellen gegen Piraten
Islamische Rebellen im vom Bürgerkrieg zerrütteten Somalia wollen angeblich gehen die Seeräuberei am Horn von Afrika vorgehen. "Wir sind gegen Piraten", sagte ein Sprecher der Aufständischen, Scheich Abdirahim Isse Adow. "Falls wir Piraten sichten, werden wir gegen sie vorgehen."

Rebellensprecher Adow sagte zur Lage im Küstengebiet: "Wir haben Harardhere unter Kontrolle, es wäre unmöglich für Piraten, sich dort zu verstecken." Die Islamisten hatten sich empört darüber gezeigt, dass das Schiff eines muslimischen Landes gekapert worden war. Die Seeräuber sollen angeblich 25 Millionen Dollar Lösegeld verlangen. Der Tanker war den Piraten rund 830 Kilometer südöstlich des kenianischen Hafens Mombasa ins Netz gegangen - weit entfernt vom Golf von Aden vor Somalia.

Vermutungen über Verbindungen
Einige Beobachter gehen davon aus, dass die Rebellen, die die Interimsregierung in Süd- und Zentralsomalia zunehmend bedrängen, Verbindungen zu den Seeräubern haben und sich einen Teil möglicher Lösegeldzahlungen sichern wollen. Die Piraten wie die Aufständischen haben das zurückgewiesen. Medienberichte legen nahe, dass die Seeräuber das erpresste Geld eher verwenden, um selbst in Saus und Braus zu leben und ihre eigene Ausrüstung zu verbessern.

Zudem nahm die Piraterie 2006 während der nur wenige Monate dauernden Herrschaft der sogenannten Union der Islamischen Gerichte in der Hauptstadt Mogadischu wie in weiten Teilen des Landes ab. Die Islamisten waren von Regierungssoldaten mit Hilfe von Äthiopien Anfang 2007 vertrieben worden. Seit kurzen stehen ihre Kämpfer, die den Großteil des Landes zurückerobert haben, jedoch wieder vor den Toren der Stadt.
(apa/red)

22.11.2008 19:33