Freitag, 14. November 2008

Der Meister und sein Wunderknabe: Sterne-koch Harald Riedl fand eine neue Bühne

  • Und sein Souchef kocht auf der alten umjubelt weiter
  • Rakete im Sternenhimmel: 16 Gault Millau Punkte

Dem "RieGi", einem bekannten Wiener Gourmettreff zwischen Hofburg und Ballhausplatz, ist vor geraumer Zeit das "Rie" abhanden gekommen. Während das "Gi" für Patronne Helga de Giuseppe steht, verdankt sich das "Rie" Meister- und Sternekoch Harald Riedl, der dem "RieGi" sogar einen Michelinstern einbrachte. Dennoch (vielleicht auch deswegen) begann es zwischen Rie & Gi zu kriseln - was zur Folge hatte, dass Harald Riedl nach längerer gastronomischer Karenz nunmehr dem Uralt-Szenelokal "Vincent" einen "Rie"-Launch verpasste.

Rakete im Sternenhimmel. Die von Patron Frank Gruber seit Jahrzehnten mit stoischer Ruhe geleitete Schlemmerburg im Karmeliterviertel hat schon zahlreiche bedeutende Köche kommen und gehen sehen und schon manche Rakete in den Haubenhimmel gestartet, wo Gruber allerdings auch schon die eine oder andere Sternschnuppe verglühen sah. Harald Riedl indes hat zweifellos das Zeug zum erfolgreichen Gastronauten - und erwartungsgemäß hat er innerhalb von gerade vier Wochen auch das von ihm erwartete Startfeuer gezündet. Der gebürtige Oberösterreicher, der von Matt bis Wohlfahrt bei vielen Großen in die Schule ging, ist sowohl ein Meister feinster Geschmacksabstimmung als auch kulinarischer "Schnitzkunst". Wohlschmeckender und schöner erblicken Terrinen, Wildinnereien, confierte Fischfilets, im Römertopf geschmorte Perlhühner oder Schokodesserts nur selten das Licht der lukullischen Welt.

Der Wunderknabe
Wenn ein Küchenchef seinen früheren Arbeitgeber nicht ganz im Frieden verlässt, lässt er an seinem Nachfolger gewöhnlich kein gutes Haar. Sternekoch Riedl jedoch gerät über seinen ehemaligen Souschef und nunmehrigen "RieGi"-Nachfolger Alexander Sowinetz ins Schwärmen: "Er hat eine Liebe zum Kochen und kann was."

Sowinetz gibt das Kompliment an Meister Riedl dankbar zurück. "Sehr vieles von dem, was ich kann, verdanke ich ihm", gesteht der 25-Jährige, der von Gault Millau soeben mit zwei Hauben und luxuriösen 16 Punkten ausgezeichnet wurde. Tatsächlich kann und will er den Stil seines ehemaligen Chefs nicht verleugnen, doch stellt auch er trotz eines geradezu bildhauerischen Geschicks letztlich die feine Aromenabstimmung in den Mittelpunkt von Gerichten wie Kalbsfußrösti mit Schalottenvinaigrette und Kaviar oder einem "Allerlei vom Apfel". Bei so viel jugendlich-genialem Überschwang ist es nur eine Frage der Zeit, dass aus dem "RieGi" ein "SowGi" wird.

Vincent, Wien 2, Große Pfarrgasse 7, Tel.: 01/214 15 16, www.restaurant-vincent.at; RieGi, Wien 1, Schauflergasse 6, Tel.: 01/532 91 26, www.riegi.at


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14.11.2008 12:24