Die neue First Lady im Interview: Michelle Obama über ihr Privatleben und Politik
- NEWS: Über ihre glänzende Rolle als Mom-in-Chief
- Wie sie Barack kennen lernte und in die Politik kam

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Bill Clinton hätte das über Hillary nie gesagt, wenigstens nie so deutlich: "Würde ich gegen sie bei einem Wahlkampf antreten, dann hätte ich keine Chance. Gegen meine Frau würde ich verlieren." Barack Obama gibt dies sehr wohl zu: dass seine Frau Michelle, 44, das wahre politische Talent ist und er gegen sie auf verlorenem Posten und ohne sie verloren wäre. "Sie ist die zweite Hälfte meines Gehirns."
In wenigen Wochen wird sie als First Lady ins Weiße Haus einziehen. Während des 21 Monate langen Wahlkampfes betonte Michelle Obama, dass sie nichts mit Politik am Hut habe, jede Frage in den unzähligen Talkshows zu politischen Themen ließ sie schon im Vorgespräch streichen. Die Juristin mit Abschlüssen der US-Elite-Unis Princeton und Harvard, bis vor kurzem Managerin des Chicago University Medical Center, verdiente lange mehr Geld als ihr Mann: Laut Steuerbescheid waren es 273.618 Dollar pro Jahr. Jetzt lässt sie ihm den Vortritt.
Leben als Polit-Statement
Ihren Job definiert sie als 'Mom-in-Chief'. Dies, obwohl der Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsmarkt zu den einzigen deutlichen Polit-Positionen gehört, die sie im Wahlkampf vertreten hat. Doch Michelle Obama hat ausreichend politischen Instinkt, um zu wissen, dass Politik keine Sache von Reden und Ämtern ist, sondern dass sie längst ein fleischgewordenes politisches Statement ist. Da kam sie ungeschminkt und im Freizeitdress zur Wahl, trat im T-Shirt beim Wahlkampf auf und symbolisierte so: Die Macht gehört nun uns, den ganz normalen Leuten, wie die New York Times analysierte.
Hier geht es nicht um den vorgestrigen Allgemeinplatz, dass hinter jedem Mann die starke Frau steht. Das Phänomen Barack Obama ist ohne Michelle, geborene Robinson, schlicht nicht denkbar. Sie erdete seine Kampagne durch öffentliche Auftritte, die den frischen Wind spürbar machten, der schlussendlich zum Sieg führte. Die wichtigsten Statements dieser Frau mit Eigenschaften illustrieren deshalb am deutlichsten, wie Politik in den USA ab nun funktionieren wird:
FRAGE: Ging Ihnen der Wahlkampf auf die Nerven?
Michelle Obama: Das hatte ich befürchtet. Aber je länger das alles gedauert hat, desto mehr Spaß hat es mir gemacht.
FRAGE: Zu Beginn hatten Sie Schwierigkeiten. Sehr offenherzig plauderten Sie private Schwächen Ihres Mannes aus, dann kam der Satz, dass Sie zum ersten Mal stolz auf Ihr Land seien. Ein schwerer Fehler?
Michelle Obama: Ich trage mein Herz auf der Zunge, sage frei heraus, was ich mir denke. Ja, das ist in unserer Medienwelt, wo rund um die Uhr Nachrichten laufen, sicher ein Problem. Und es war neu, dass hier eine starke Frau auftritt. Daran mussten sich die Menschen erst gewöhnen. Ich bin stolz auf mein Land, weil das, was Barack und ich geschafft haben, wirklich nur hier möglich ist. Ich bin in einem armen Viertel Chicagos groß geworden. Mein Vater war Schichtarbeiter, meine Mutter war zuhause. Die beiden haben es geschafft, dass mein Bruder Craig und ich die besten Unis besuchten. Sie schafften es, obwohl mein Vater sehr jung an multipler Sklerose erkrankte. Barack wuchs in Hawaii auf, weit von mir entfernt und doch unter sehr ähnlichen Bedingungen. Seine Mutter war alleinerziehend. Auch er konnte trotzdem die besten Unis besuchen. Und jetzt: Schauen Sie uns an: Wie weit wir gekommen sind. Ja, ich bin ehrlich stolz auf uns, auf dieses Land, das dieses Wunder, das wir jetzt erleben, ermöglicht hat.
FRAGE: Wie haben Sie Barack kennen gelernt? Wann wussten Sie, dass er der Richtige ist?
Michelle Obama: Er war von Anfang an so ernst, so kompromisslos. Er wollte mich zur Frau und mit mir etwas aufbauen. Ich war eine Anwältin in einer sehr florierenden Kanzlei, da war ich von so prahlerischen Männern umgeben, denen es um glamouröse Dates ging. Barack kam in die Kanzlei für ein Sommerpraktikum. Er lud mich ins Kino ein, nahm mich auch zu den Veranstaltungen im Gemeindezentrum mit, wo er sich um benachteiligte Menschen kümmerte. Da spürte ich das, was später auch seine Faszination im Wahlkampf ausmachte: Er machte diesen Menschen Hoffnung. In diese Fähigkeit habe ich mich verliebt.
FRAGE: Wie gehen Ihre Töchter mit dem neuen Leben um?
Michelle Obama: Es gab einen Moment, da war ich fassungslos vor Stolz. Die Ältere, Malia, ist zehn. Am Morgen, nachdem klar war, dass Barack die Nominierung der demokratischen Partei erhält, kuschelte ich mit ihr und der kleinen Sasha im Bett. Da sagte ich: "Mädchen, etwas Großartiges ist passiert. Euer Vater könnte der erste afroamerikanische Präsident Amerikas werden." Da sagte Malia: "Ich weiß, es gab Zeiten, da durften wir nicht wählen, und das wäre wirklich wichtig, wenn er es schaffen würde, aber ich glaube, es wäre genauso großartig gewesen, wenn Hillary nominiert worden wäre. Für uns Frauen." Ich war so stolz auf sie, denn es stimmt: Hillary hat durch ihre Kandidatur, ihren Kampf, Zehntausende Brüche in die gläserne Decke geschafft.
FRAGE: Doch sie wurde "nur" First Lady. Wenn auch eine sehr politische. Was wird Ihre Rolle sein?
Michelle Obama: Ich möchte mich für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzen. Da gibt es viel zu tun. Wenn ein Mann einen Dollar verdient, dann kriegt bei uns eine Frau für die gleiche Arbeit 77 Cent. Weiters, da habe ich im Wahlkampf schon damit begonnen, will ich das Los von Soldatenfamilien, deren Väter und Mütter im Kriegseinsatz sind, verbessern. Es darf nicht sein, dass jemand im Irak kämpft und Angst haben muss, dass die Familie angesichts der Krise gerade ihr Haus verliert.
FRAGE: Werden Sie Ihren Mann auch politisch beraten?
Michelle Obama: Da mische ich mich sicher nicht ein. Ich bin in erster Linie dafür da, dass unsere Töchter, so gut es geht, ein normales Leben führen können, zum Ballett gehen, Freunde finden.
FRAGE: Ihr Mann hingegen bezeichnet Sie als zweite Hälfte seines Gehirns. Da meint er wohl auch Politik.
Michelle Obama: Sehen Sie: Barack und ich,
wir sind beide Anwälte. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, was bei uns zuhause los ist, wenn wir in Streit geraten. Das geht endlos im Kreis, das ist ein wirklicher verbaler Ringkampf. So hat er sich auch auf seine politischen Debatten im Wahlkampf vorbereitet. Wir saßen zusammen und fingen an, ein wenig miteinander zu diskutieren. Das half.
Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS 46/2008.
