"Auch Nägel machen schwarze Löcher": Physiker über CERN-Bedrohungsszenarien
- Kritiker fürchten die Zerstörung des Planeten
- Nachweis von Schwarzen Löchern nur Wunschtraum

"Auch beim Einschlagen eines Nagels ist aus der Sicht der Physik nicht hundertprozentig auszuschließen, dass Schwarze Löcher entstehen - dennoch würde ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen" - so kommentierte der Theoretische Physiker Anton Rebhan von der Technischen Universität (TU) Wien immer wieder von vereinzelten Kritikern geäußerten Bedenken gegen die Inbetriebnahme des Europäischen Forschungszentrums (CERN). Im CERN entstehende Schwarze Löcher könnten den ganzen Planeten bedrohen, so unter anderem die Befürchtungen.
Tatsächlich wäre der Nachweis von Schwarzen Löchern im CERN "ein Wunschtraum der Theoretiker", sagte Rebhan. Derartige Phänomene würden erheblich zur Weiterentwicklung des Verständnisses der Materie beitragen. Die Existenz von mikroskopischen Schwarzen Löchern würden eine bestimmte Theorie namens "Brane-World Scenario" forcieren, wonach die Gravitation in 10 Dimensionen existiert. Selbst wenn im CERN Schwarze Löcher entstehen, hält es der Wissenschafter für quasi ausgeschlossen, dass davon eine Gefahr für die Menschheit oder gar den ganzen Planeten ausgeht.
Gefahr von Schwarzen Löchern
Laut Kritiker wäre ein Bedrohungsszenario, dass die winzigen Schwarzen Löcher bestehen bleiben, den Beschleuniger verlassen, sich im Mittelpunkt der Erde sammeln und irgendwann den Planeten von innen gleichsam aufzufressen beginnen. Dieses Szenario beruht laut Rebhan auf derart vielen Annahmen, dass man die Sache ruhigen Gewissens als "an den Haaren herbeigezogen" bezeichnen können. Tatsächlich würden die winzigen Schwarzen Löcher - so sie überhaupt entstehen - sofort wieder zerfallen.
Weiße Zwerge und Neutronensterne
Die Annahme, dass sie aus irgend einem, bisher unverstandenen Grund doch bestehen bleiben, lasse sich auch durch die Astronomie widerlegen, so Manfred Jeitler vom Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). So würde das ominöse Szenario - Schwarze Löcher akkumulieren in Himmelskörpern und fressen diese auf - sogenannte Weiße Zwerge und Neutronensterne rasch zerstören, denn die im CERN simulierten Bedingungen kommen auch natürlich im Weltall vor. "Tatsächlich können wir aber Weiße Zwerge und Neutronensterne beobachten", so Jeitler.
Betrieb ohne Probleme
Auch weitere Bedrohungsszenarien durch den CERN - wie etwa durch "BOSENOVA"-Phänomene lassen die Wissenschafter nicht unkommentiert. So wird behauptet, dass das zur Kühlung eingesetzte Helium im CERN schlagartig explodieren könne. Die Kühlung sei während des kurzen Probelaufes im September bereits voll in Betrieb gewesen und es seien keine exotischen Ereignisse aus der Quantenwelt passiert, konterten die Experten. Und selbst wenn es in der Zukunft zu derlei Vorfällen käme, könne bestenfalls die Anlage des CERN beschädigt werden. Gefahr für Menschen bestehe nicht. (apa/red)
