Mittwoch, 12. November 2008

Republik feiert 90. Geburtstag: Fischer
wünscht Österreich eine "friedliche Zukunft"

  • Präsident warnt vor Nationalismus und Radikalismen
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Die Republik Österreich ist 90 Jahre alt geworden. Der Geburtstag wurde mit einem Festakt, einem "Konzert für Österreich" und einer Ausstellung im Parlament gefeiert. Begonnen hat der Tag mit Kranzniederlegungen durch Regierungsmitglieder und Bundespräsident Heinz Fischer. Beim Festakt in der Hofburg wünschte Fischer Österreich eine "friedliche Zukunft" und warnte vor einem "verstärkten Nationalismus und Radikalismen", sollte der Wirtschaftskrise nicht rasch entgegengewirkt werden. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer lobte einmal mehr die Verdienste der Europäischen Union.

Die Geburt der Republik nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Rücktritt von Kaiser Karl I. sei "schwierig" gewesen, der 12. November 1918 kein Tag der Harmonie. Viele haben den neuen Staat "nicht gewollt und obendrein nicht als lebensfähig erachtetet", so Fischer. Es habe zwar auch neue Hoffnung gegeben, aber "Hoffnung ohne Brot" sei keine Startrampe in eine gute Zukunft gewesen.

Start "aus Schutt und Trümmern"
Nach nur zwei Jahrzehnten sei der "auf schwachen Beinen" stehende Staat von der Landkarte gelöscht worden und es habe ein "Alptraum" begonnen, der 1945 "mit der totalen Niederlage" geendet habe und die "totale Unmenschlichkeit" der "totalen Diktatur" offenbart habe. Der Start "aus Schutt und Trümmern" danach sei "ungeheuer schwierig" gewesen, die Bevölkerung habe jedoch "den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie, zwischen der Rot-Weiß-Roten Fahne und dem Hakenkreuz, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Humanität und Bestialität erfasst" gehabt, so Fischer.

In der Zeit des Wiederaufbaus habe es jedoch Versäumnisse bei der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und mit der Verstrickung vieler Österreicher in die Verbrechen dieser Ära gegeben, es sei erst in den letzten Jahren zu einer intensiven Beschäftigung mit diesen Fragen und konkreten Maßnahmen gekommen.

Gusenbauer lobt EU
Bundeskanzler Gusenbauer lobte bei einem Sonderministerrat die EU und versprühte Optimismus in Sachen Wirtschaftskrise. Man werde hierzulande weiter Leistungsbereitschaft entwickeln, um die Herausforderungen annehmen. Manche würden in der derzeitigen Situation Parallele zur Finanzkrise zwischen den beiden Weltkriegen sehen, so der Bundeskanzler. "Wir stehen an einem Scheideweg, an dem wir uns fragen müssen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Österreich setzt alles daran, den Stürmen der jetzigen Finanzkrise zu trotzen."

Auch der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber, bekannte sich beim Festakt in der Hofburg zu Europa, mahnte aber gleichzeitig Reformen ein. "Damit Europa bei den Menschen Zustimmung findet, ist es wesentlich, dass Aufgaben, die besser vor Ort erledigt und umgesetzt werden können, sinnvollerweise auch dort gelöst werden dürfen. In der pragmatischen Balance zwischen Einheit und Spielraum liegt viel Kraft", sagte der Landeshauptmann.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ging bei der Eröffnung der "Republik-Ausstellung 1918/2008" im Parlament vor allem auf das Thema Frauen ein. Sie betonte zudem, dass es ohne Wissen um die Geschichte kein Demokratiebewusstsein gebe. Im Hohen Haus wird auf rund 1.000 Quadratmetern die jüngere Geschichte Österreichs anhand von Themenblöcken nacherzählt. Die Ausstellung öffnet nach den Worten von Finanzminister Wilhelm Molterer auch das "Tor zum Haus der Geschichte", das nach langem Gezerre nun rechtzeitig zum Jubiläum doch noch auf Schiene gebracht wurde.

(apa/red)

12.11.2008 16:11