Donnerstag, 13. November 2008

Zentralausschuss bereitet Post-Streik vor:
Kampfmaßnahmen ab 22. November möglich

  • Das Betriebsergebnis sinkt um ganze 13 Prozent
  • Entscheidung über Sparmaßnahmen hinausgezögert

Der Zentralausschuss der Bediensteten der Österreichischen Post AG hat die Vorbereitung von Kampfmaßnahmen beschlossen und das Präsidium der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) mit der zentralen Streikleitung beauftragt. Ab 22. November seien nach Einholung einer Streikerlaubnis vom ÖGB-Vorstand "alle gewerkschaftlichen Maßnahmen bis hin zum Streik möglich", heißt es im der APA übermittelten Beschluss des Gremiums.

Die Belegschaftsvertretung hatte den Zentralausschuss einberufen, nachdem in den vergangenen Tagen radikale Sparpläne für die Post an die Medien durchgesickert waren. In ihnen war vom Abbau von bis zu 9.000 Jobs und der Auslagerung von bis zu 1.000 Postämtern nach dem Beginn der Vollliberalisierung 2011 die Rede.

Zahlen als "Rechenmodell"
Post-Vorstandschef Anton Wais hatte nach einer Aufsichtsratssitzung die Zahlen als "Rechenmodelle" bezeichnet, die grundsätzlichen Ziele aber bestätigt. Auch ÖIAG-Chef Peter Mitterbauer hat gemeint, es werde Personalabbau und Schließungen "wie bisher" geben, dies werde sich aber auf einen Zeitraum von sieben bis acht Jahren verteilen.

Die Post-Betriebsräte stellen in ihrer Resolution fest, dass Wais-Aussagen die kolportierten Pläne im wesentlichen bestätigt hätten und äußern die Vermutung, dass die Post selbst "diese menschenverachtende Unterlage vermutlich hinausgespielt hat. Sämtliche Grauslichkeiten dieses Papiers bleiben nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung im vollen Umfang aufrecht."

Darüber hinaus bereitet der Zentralausschuss einen "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung der Post AG" ("Strategie des Wahnsinns") sowie die Anrufung der staatlichen Wirtschaftskommission durch den ÖGB vor.

Ebit gesunken
Unterdessen wurde bekannt, dass die Post in den ersten neun Monaten 2008 ein deutliches Betriebsminus hinzunehmen hatte. Der Umsatz konnte hingegen gesteigert werden. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank um 13 Prozent auf 103 Mio. Euro, der Umsatz legte um 7 Prozent auf 1,785 Mrd. Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen reduzierte sich 2008 bisher um 1,9 Prozent auf 186,9 Mio. Euro. Der Periodenüberschuss sank um 8,9 Prozent auf 87,5 Mio. Euro. Der Brief- und Paketbereich konnte den Umsatz um fast zehn Prozent steigern, während der Filialbereich um ein Prozent nachgab, teilte die Post Donnerstagfrüh ad hoc mit.

Entscheidung mit Budget
Der Aufsichtsrat des halbstaatlichen Unternehmens beschloss ein Strategiepapier, in dem verankert ist, dass über die konkreten Sparmaßnahmen künftig jährlich zusammen mit dem Budget entschieden wird. Für das nächste Jahr wird dies bei der Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember sein. Womit fürs erste eine Waffenruhe eingetreten sein dürfte.

In dem Strategiepapier wird zudem an die Politik appelliert, rasch eine "Postmarktordnung" zu beschließen für die Zeit nach der Voll-Liberalisierung zu beschließen.

Wie berichtet sollen bis 2015 bis zu 9.000 Postler abgebaut und 1.000 der 1.300 Postämter geschlossen werden.
(apa/red)

13.11.2008 14:50