Mittwoch, 12. November 2008

Gurken dürfen wieder krumm sein: EU- Kommission hebt umstrittene Regelung auf

  • Norm für 26 Obst- und Gemüsesorten fällt endgültig
  • 16 Nationen stimmten gegen den "Krümmungserlass"

Die EU schafft endgültig die höchst umstrittene Regelung zur Normung von 26 Obst- und Gemüsesorten ab. Im zuständigen Verwaltungsausschuss sprachen sich zwar 16 Länder gegen einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission zur Aufhebung der Vermarktungsnormen aus, dies war aber nicht genug. Damit werden ab 1. Juli 2009 gekrümmte Gurken und knollige Karotten in Supermärkten zugelassen

Österreich hat sich bei der Abstimmung - so wie Portugal - der Stimme enthalten. Man sei zwar für Vereinfachungen, sagte die zuständige Sektionschefin im Landwirtschaftsministerium, Edith Klauser, zur APA, für die Produzenten und die Supermärkte bedeute das aber einen erheblichen Mehraufwand. Deutschland sprach sich laut Diplomaten für die Abschaffung der Norm aus, große Produzentenländer wie Frankreich, Spanien oder Polen sollen jedoch dagegen gestimmt haben.

Äpfel bleiben genormt
Für 10 Obst und Gemüsesorten, darunter Äpfel, Tomaten, Kiwis, Erdbeeren und Zitronen, bleiben die Vermarktungsnormen aufrecht. EU-Staaten können aber die Vermarktung von nicht-normgerechten Früchten erlauben, wobei diese nur getrennt von Klasse I und Klasse I Produkten angeboten und entsprechend gekennzeichnet sein müssen.

Kosument kann wieder wählen
Der Sprecher von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel sprach von einer "guten Nachricht". Die Form von Obst und Gemüse sollte nicht auf EU-Ebene sondern vom Sektor selbst geregelt werden. Die Abschaffung der Vermarktungsnorm gebe den Konsumenten mehr Auswahlmöglichkeiten. Außerdem werde damit sichergestellt, dass in Zeiten hoher Nahrungsmittelpreise keine guten Produkte weggeworfen werden, nur weil sie eine ungewöhnliche Form haben, wie dies in der Vergangenheit zum Teil der Fall war.

Befürchtungen von Produzenten, dass dies zu Preissenkungen führen könnte, teilt die Kommission nicht. Bisher hätten zu kleine oder komisch gewachsene Früchte nur verarbeitet werden können, jetzt könnten sie zu besseren Preisen verkauft werden, sagte der Kommissionssprecher.

Neben Gurken und Karotten fallen die Normen für Marillen, Artischocken, Melanzani, Avocados, Birnen, Bohnen, Kohlsprossen, Karfiol, Kraut, Kirschen, Zucchini, Zuchtpilze, Zwiebeln, Knoblauch, Hasel- und Walnüsse in der Schale, Lauch, Melonen, Zwetschken, Stangensellerie, Spargel, Spinat und Chicoree. (apa/red)

12.11.2008 14:19